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Alexander der Große 356 - 323 v. Chr.
Einführung
Zu allen Zeiten hat die Geschichte bedeutenden und herausragenden Persönlichkeiten den Beinamen „Der Große“ verliehen. Zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt.
Alexander der Große ist eine weltgeschichtliche Persönlichkeit allerersten Ranges. Der Historiker Droysen beginnt seine klassische
Biographie über Alexander mit den Worten: „Der Name Alexander bezeichnet das Ende einer Weltepoche und den Anfang einer neuen.“
Alexander hat die Welt verändert, und das auf eine glänzende und heroische Weise. Welche Begabung hatte er? Was war er für ein Charakter? Welche Gedanken haben ihn bewegt? Welche Ideen und Pläne beschäftigten ihn?
Literatur über Alexander gibt es genug, jedoch werden sicherlich nicht alle Fragen eine passende Antwort finden. Das Urteil über
Alexander schwankt bis zum heutigen Tag zwischen euphorischer Bewunderung und schärfster Ablehnung, zwischen Verständnis für
seine Fehler und scharfer Herabsetzung selbst seiner größten Leistungen. Schon für seine Zeitgenossen war er von Geheimnissen
umwittert. Es gibt kaum eine geschichtliche Persönlichkeit von der wir so viel und so wenig wissen.
Um Alexander und seine positiven wie negativen Leistungen verstehen zu können, muss man sich mit seinem Leben etwas genauer auseinandersetzen. Die Wurzeln liegen in Griechenland, genauer gesagt im Norden, in Makedonien. Heimatland Makedonien
Makedoniens Bewohner waren meist freie Hirten und Bauern. Der Adel war, wenn nicht gerade wieder einmal auf Kriegszug, am Hof.
Die erste Hauptstadt war Aigai. Von hier aus begannen die Makedonen ihr Herrschaftsgebiet auszubauen. Als ihnen das gelang,
bauten sie an der Küste Pella, ihre zweite Hauptstadt. Aigai blieb das geheiligte Zentrum des Reiches und auch der Begräbnisplatz der Herrscher. Ebenso wurden auch alle großen Feste dort gefeiert.
Die Griechen hielten die Makedonen für Barbaren, (barbaroi Barbaroi, weil sie bei ihrer bäuerlichen Verfassung geblieben waren.) Es
war auch nie versucht worden, das griechische Vorbild eines Stadtstaates, einer Polis, nachzuahmen. Für die Griechen war gerade
die Polis der Inbegriff politischer Weisheit. Waren die Makedonen überhaupt Griechen? Genau ließ sich dies mangels fehlender
Quellen nicht beantworten. Außerdem sprachen die Makedonen einen anderen Dialekt und tranken den Wein unverdünnt, was einem echten Griechen eben barbarisch vorkam.
Makedonien war seit Jahrhunderten ein Königreich. Philipp II., der Vater Alexanders, wurde 359 v. Chr. von der makedonischen
Heeresversammlung zum König gewählt. Seine Politik in den nächsten zwanzig Jahren war ein Netzwerk aus geschickter Diplomatie
und Einsatz von Waffengewalt. So schaffte er es, das zerrüttete Makedonien, das noch vor 150 Jahren persisches Gebiet gewesen war, zum führenden Staat Griechenlands zu machen. Philipp, der Vater Alexanders
Philipp begann mit der Neuorganisation der heruntergekommenen Armee. Er führte eine Art allgemeiner Wehrpflicht ein und drillte
seine Soldaten in einer für die alte Welt beispielslosen Weise. Taktische Beweglichkeit war ebenso gefragt, wie Überlebenstraining in Schnee und Dürre.
Systematisch stellte er sein Land auf Kriegswirtschaft um, indem er Straßenbau, Verwaltungsreform sowie das Werben um
griechische Wirtschaftsfachleute und Handwerker forcierte. Wichtigste Beute der Kriegszüge waren Menschen, die als Sklaven auf
den Feldern und in den Bergwerken die Makedonen ersetzten, die sich ständig im Heerlager befanden. Nur so war es möglich, ein
stehendes Heer zu unterhalten. Finanzielle Basis war die Ausbeutung der Goldbergwerke in Thrakien. Mit diesem Geld wurden auch
die ausländischen Ingenieure bezahlt, die immer bessere Belagerungsmaschinen erfinden mussten. Es wurden bereits Schleudern
mit Sehnen oder Rosshaar entwickelt. So konnten die Reichweite und Stärke verdoppelt werden. Ingenieure entwickelten auch einen ca. 40 Meter hohen Belagerungsturm.
Philipp war in seiner Jugend einige Jahre als Geisel in Theben. Dort lernte er den genialen Feldherrn Epaminondas kennen, der zum
ersten Mal die Spartaner in einer offenen Feldschlacht bei Mantinea und bei Leuktra besiegte und dabei dann selbst den Tod fand.
Epaminondas entwickelte die sogenannte „Schiefe Schlachtordnung“, die Philipp und später auch Alexander noch weiter entwickelten und perfektionierten.
Die Adelsreiterei, die Hetairen, die Gefährten, wurde zur Elitetruppe des Heeres. Die Makedonen ritten wie Winnetou. Die Pferde
waren unbeschlagen und hatten nur bei Eis und Schnee Lederlappen an den Hufen. Außerdem war der Steigbügel noch nicht erfunden. Die Reiter konnten sich nur an der Pferdemähne festhalten.
Die Fußkämpfer organisierte er in Phalanxen als eine starre, disziplinierte Angriffstruppe, ausgerüstet mit 4 – 6 m langen Speeren
aus besonders stabilen Zedernholz, den Sarissen. In den Ebenen vor Pella klang oft der furchterweckende rhythmische Ruf: „Allalalalai“, der die Soldaten zum gleichmäßigen Vorgehen animieren sollte.
Die Soldaten wurden auf Härte gedrillt. Frauen war der Zugang zum Lager verboten. Es war bei den Soldaten verpönt, sich mit
warmem Wasser zu waschen. Die Offiziere mussten ohne Fuhrwerke auskommen und auch im Hochsommer mit einem Proviantvorrat für 30 Tage auf dem Rücken 50 km marschieren. Gewöhnliche Kost war Brot, Oliven und geplündertes Vieh.
Philipp war nicht nur Feldherr, er war auch Meister der politischen Intrige und Bestechung. Nicht umsonst wird ihm der Satz
zugeschrieben: „Es ist keine Burg so steil, dass nicht ein mit Gold beladener Esel in sie hinein finden könnte.“
Die Mutter Alexanders war Olympias. Sie war ein Waisenmädchen, die unter der Vormundschaft ihres Onkels lebte. Olympias hatte
einen starken Anteil illyrischen und barbarischen Blutes in sich. Ihre Ahnenreihe ging angeblich auf den Helden Achilles zurück,
während das Blut der Helena aus Sparta, deren Entführung den Trojanischen Krieg auslöste, in den Adern des Vaters geflossen sein
soll. Dionysos, der Gott der Lebenskräfte der Natur wurde in Makedonien schon lange verehrt. Olympias war eine begeisterte
Bacchantin, also eine trinkfreudige Zecherin zu Ehren des Gottes, und sie pflegte auch Schlangen zu halten, die sie auch bei
religiösen Umzügen mit sich führte, Peter Bamm sagte zur Hochzeit dieser beiden: „Es heiratete der Wolf eine Löwin“. Olympias war die vierte Ehefrau und noch nicht die letzte. Alexanders Jugendzeit
Alexander wurde im Jahre 356 v. Chr. in Pella geboren. Sein genaues Geburtsdatum kann man jedoch nur ungefähr vermuten. Die
Aufzeichnung von Geburtsdaten war jedoch in Griechenland ungewöhnlich. Drei mögliche Daten liegen vor. Der wahrscheinlichste
Termin liegt Mitte Juli, oder um den 20. Juli. Es wurde später von seinen Offizieren auch ein Oktobertermin genannt. Es handelte sich
dabei aber wahrscheinlich um einen „offiziellen Geburtstag“, z. B. wie in England, der am Tag seiner Thronbesteigung gefeiert wurde.
Als weiterer möglicher Termin käme der 6. Juli in Frage, ein Tag, der der Göttin Artemis geweiht war. Alexanders Geburt soll auch mit
dem Brand zusammenfallen, als Herostratos den Artemis-Tempels in Ephesus anzündete, um sich selbst ein Denkmal zu setzen.
Der Sage nach war dies nur möglich, weil Artemis in dieser Nacht ihren Tempel verlassen hatte, um über die Geburt Alexanders zu wachen.
Nach der Geburt wurde Alexander einer Amme übergeben. Der Bruder dieser Amme, Kleitos, sollte für Alexander noch eine
bedeutende Rolle spielen. Über Alexanders frühe Kinderjahre haben wir keinerlei Überlieferungen. Wir wissen, dass er griechische
Hauslehrer hatte, die sehr streng waren. Seine Mutter Olympias hatte starken Einfluss auf ihren Sohn. Sie erzählte ihm, dass er
eigentlich göttlicher Abstammung sei und er verwandt sei mit Achilles. Die Beziehung zwischen Alexander und seiner Mutter war
immer etwas gespannt, aber sie riss nie ab. Mutter und Sohn schrieben sich, als Alexander in Asien war, mehrere Briefe, die leider
heute nicht mehr erhalten sind. Meistens beschwerte sich Olympias über Antipater, den von Alexander bestimmtem Reichsverweser.
Ein Kommentar Alexanders aus späteren Jahren ist hierzu überliefert: „Sie fordert meiner Geduld als Gegenleistung für die neun
Monate, die sie mich getragen habe, einen hohen Preis ab.“ Die letzten elf Jahre seines Lebens haben sich Mutter und Sohn nicht mehr gesehen.
In die Geschichte tritt Alexander aber erst mit zehn Jahren ein. Griechische Gesandte waren in Pella, als der kleine Alexander die Männergesellschaft beim Essen überraschte, als er auf der Lyra spielte und Dichtung vortrug.
Dichtung und Musik spielten für Alexander ein Leben lang eine bedeutende Rolle. Musikalische und literarische Wettbewerbe
Alexanders waren später in ganz Asien berühmt. Ebenso hielt er sich sehr gerne an den Ausspruch Xenophons: „Jeder Mensch, der
die Jagd liebt, ist auch ein guter Mensch.“ Die Jagd war am makedonischen Hof der Mittelpunkt des Lebens. Wenn es sich einrichten
ließ, so ging Alexander täglich auf die Jagd. Er liebte Hunde. Z. B. benannte er nach einem indischen Hund, der ihm besonders nahestand, eine Stadt, um sein Andenken zu bewahren.
Im Alter von zwölf Jahren traf Alexander einen Freund, der ihn zwanzig Jahre begleiten sollte, seinen Rappen Bukephalos, genannt
der Stiernackige. Demaratos, ein Freund König Philipps, hatte dieses Pferd für 13 Talente, dem dreifachen Betrag dessen, was je für
ein anderes Pferd der Antike bezahlt wurde, von einem Züchter aus Thessalien gekauft. 13 Talente sollen ungefähr einen Betrag von
60 000 Goldmark entsprechen – eine wahnsinnig hohe Summe. Demaratos machte König Philipp das Pferd zum Geschenk. Philipp
wollte sein Geschenk auf der Weide überprüfen. Jedoch der Rappe bockte und ließ sich überhaupt nicht reiten.
Philipp wollte das Pferd schon wegbringen lassen, da bat der zwölfjährige Alexander seinen Vater, das Pferd reiten zu dürfen.
Alexander ging hin, ergriff das Pferd am Halfter und drehte es zur Sonne. Alexander hatte nämlich erkannt, dass sich das Pferd vor
seinem eigenen Schatten fürchtete. Alexander konnte aufsteigen und eine Runde reiten. König Philipp war den Tränen nahe und soll
gesagt haben: „Für so einen tüchtigen Prinzen ist Makedonien zu klein. Suche dir ein größeres Reich!“ Alexander durfte Bukephalos
behalten. Er brachte dem Rappen, mit einer Blässe an der Stirn, bei, sich mit vollem Panzer vor ihm niederzuknien, so dass er in seiner Rüstung leichter aufsitzen konnte.
Er liebte dieses Pferd sehr, so dass er, in der Schlacht oft ein anderes Pferd ritt, um es zu schonen. Bukephalos begleitete
Alexander bis nach Indien, wo der Rappe schließlich am Hydaspes-Fluss an Alterschwäche einging. Die Stadt Bukephala erinnerte an dieses bemerkenswerte Pferd.
Die ersten Lehrer suchte noch Olympias für ihren Sohn aus. Um die Erziehung und Bildung seines Sohnes zu fördern und um ihn vor
allem auch aus der unmittelbaren Einflusszone seiner Frau zu holen, engagierte Philipp den besten Lehrer seiner Zeit, Aristoteles.
Damit die neue Unterweisung ungestört erfolgen konnte, zog sich Aristoteles mit Alexander und einer Reihe von jungen Adelssöhnen nach Mieza, einen abgelegenen Ort zurück.
Diese Mitschüler waren auch als Pagen am Königshof in Pella eingesetzt und die Disziplinargewalt lag nur beim König. Einige dieser
jungen Männer spielten auch in der Zukunft eine bedeutende Rolle an der Seite Alexanders, zum Beispiel Hephaistion, der ihm auch
persönlich sehr nahestand, oder Ptolemaios, der spätere Begründer der Ptolemäer-Dynastie in Ägypten und Stammvater von Kleopatra.
Die Erziehung der Adelssöhne hatte auch eine politische Bedeutung. Sie waren so in der Nähe des Königs, gleichsam als Geiseln und verbürgten so das loyale Wohlverhalten ihrer Väter.
Aristoteles hat den jungen Alexander für sein weiteres Leben ganz besonders geprägt. Neben der Einführung in viele Wissenschaften
der damaligen Zeit, weckte der Gelehrte bei dem Jungen das Verständnis und eine wahre Begeisterung für die Schönheiten der
homerischen Epik. Aristoteles stellte seinem Schüler eine eigene Homerausgabe zusammen, die Alexander auf all seinen Zügen
durch Asien mitnahm und immer wieder darin las. Einer seiner Offiziere sagte, dass Alexander immer mit einem Dolch und mit dieser
Ilias unter seinem Kopfkissen geschlafen habe. Was ihm die Ilias bedeutete, sollen zwei weitere Beispiele verdeutlichen.
Als Alexander nach der Schlacht bei Issos ein äußerst wertvolles Kästchen aus dem Besitz von König Dareios überbracht wurde, legte er seine Ilias hinein.
Ein anderes Mal kam ein Kurier, der seine Freude über seine zu überbringende Meldung kaum verbergen konnte. Alexander
unterbrach ihn lächelnd und sagte: „Was kannst du mir sagen, das solcher Erregung wert ist, außer dass Homer auferstanden ist.“
Alexander war mit 13 Jahren nach Mieza gekommen. Um 340 rief ihn der König zu vielerlei Regierungsaufgaben nach Pella zurück.
Im Alter von 16 Jahren wurde Alexander von seinem Vater immer mehr in die Regierungsgeschäfte mit einbezogen. Philipp war
ständig auf irgendwelchen Kriegszügen, um sein Königreich abzurunden, Grenzen zu sichern und seine Flanken für den damals
schon geplanten Perserzug abzusichern. Einmal ließ er Alexander als Regent in Pella zurück. Als Alexander ein feindlicher Einfall in
Makedonien gemeldet wurde, stellte er sich sofort den Angreifern entgegen und siegte. Erst dann meldete er seinem entfernt weilenden Vater den Vorfall und natürlich auch den Sieg.
Alexander antwortete später einmal auf die Frage, wie es ihm gelang die Griechen zu beherrschen: “Weil ich nichts auf morgen
verschob, was heute getan werden musste.“ Eine für Alexander ganz typische und ihn auch prägende Einstellung.
Im Jahre 339 v. Chr. kam es zum Krieg mit Athen um die Vorherrschaft in Griechenland. In nur wenigen Tagen legte Philipp den Weg
über Larisa-Pharsalos-Lamia zurück. Thessalien diente als Nachschubbasis. Mit seinem raschen Vormarsch hatte Philipp den
Griechen die Initiative abgenommen. Ihnen blieben nur noch defensive Maßnahmen. Der Feldzug war bis ins Kleinste geplant, nichts wurde dem Zufall überlassen.
Theben verbündete sich mit Athen. Doch den Verbündeten mangelte es an einer geplanten Strategie. Durch List und Tücke, durch
gefälschte Briefe, die absichtlich dem Gegner in die Hände gespielt wurden, konnte Philipp erreichen, dass feste Stellungen aufgegeben wurden und er so ungehindert weiterziehen konnte.
Schließlich stellte sich aber bei den Athenern und ihren Verbündeten die Einsicht ein, dass man mit einer nur rein defensiven
Einstellung einen Krieg nicht länger führen könne. Man brauchte auf griechischer Seite endlich einen Erfolg. So stellte man sich schließlich zur Schlacht. Die Schlacht von Chaironeia und die Folgen
Diese entscheidende Schlacht fand am 2. August 338 vor Chr. bei Chaironeia statt. Beide Heere waren ungefähr 30 000 Mann stark, die Makedonen hatten noch 2000 Reiter.
Die Schlacht von Chaironeia war ein Meisterstück Philipps. Den rechten Flügel kommandierte der König selbst und der linke Flügel
unterstand dem 18 jährigen Alexander mit seiner Reiterei. Der besondere Trick dieser Schlacht bestand darin, dass Philipp mit
seinem rechten Flügel vor den angreifenden Athenern zurückwich. Dieses absichtliche Zurückgehen war ein äußerst gefährliches
Unternehmen. Es setzte viel militärische Disziplin und exakte Übung voraus, damit es nicht zu einem chaotischen Durcheinander
kommen konnte. Während die Athener sofort nachstürzten, warf Alexander auf seinem Flügel die Thebaner nieder. Danach vollzog er
eine Linksschwenkung. Die Athener wurden auf diese Weise in die Zange genommen. Denn der Flügel von Philipp war inzwischen
längst zum Stehen gelangt und wieder zum Angriff übergegangen. Damit war die Schlacht entschieden. Aus dem Rückzug der
Athener wurde eine chaotische Flucht. Heute erinnert an diese denkwürdige Schlacht, der die Freiheit der Griechen vorerst beendete,
der weinende Löwe. Die Schlacht hat gezeigt, dass solche taktische Manöver nur von einer Truppe durchgeführt werden konnten, die fest in der Hand des Feldherrn befand und die speziell geschult waren.
Schon längst hatte Philipp den Plan eines Perserkrieges gefasst. Zuvor jedoch mussten die Verhältnisse in Griechenland geordnet
und gefestigt sein. Er hat zunächst mit Athen und Theben Frieden geschlossen, jedoch nicht mit Sparta. Philipp erinnert uns hier an
Bismarck nach dem Krieg 1866 gegen Österreich. Österreich sollte damals aus dem Deutschen Reich ausscheiden, aber ein guter
Nachbar und auch Bündnispartner sein. Philipp wollte mit seinen ehemaligen Gegnern in Freundschaft und als Bundesgenossen
zusammenleben. So sind auch die relativ milden Friedensbestimmungen zu verstehen. Daher wurde der Friede auch in Athen schnell ratifiziert, man hatte ja viel Schlimmeres erwartet.
In Griechenland gab es jetzt keinen Widerstand gegen die Makedonen mehr, außer Sparta. Philipp sah jedoch keinen Grund sich mit
Sparta abzugeben, da es jetzt politisch isoliert war. Philipp fasste jetzt die Griechen in einem großen Bund zusammen, den
Korinthischen Bund. Das Synhedrion, die Bundesversammlung, lenkte die Zusammenarbeit. Zufrieden waren sicherlich nicht alle
Griechen, aber was blieb ihnen anderes übrig, als sich den Anordnungen zu fügen, denn Widerstand gegen die Militärmacht
Makedonien wäre sinnlos gewesen. Die wichtigsten Plätze erhielten eine Besatzung, z. B. Akrokorinth und die Burg Kadmeia in
Theben. Philipp wurde Protektor, Hegemon des Korinthischen Bundes auf Lebenszeit und er übermittelte seine Anordnungen den Abgeordneten im Synhedrion zu Korinth.
Außerdem gründete er eine Symmachie, eine Bundesgenossenschaft zwischen den einzelnen griechischen Staaten. Sie sollte ewig gelten und nicht nur für Philipp persönlich, sondern auch für seine Nachkommen gelten. Der Plan des Perserfeldzuges
337 folgte bereits eine Kriegssitzung. Philipp stellte den Antrag, gegen Persien einen Feldzug durchzuführen. Als Grund für diesen Krieg wurde Rache für die Zerstörungen der Perser in den großen Kriegen angegeben.
Diese Kriege von 490, 480, 479 v. Chr. (Marathon, Thermophylen, Zerstörung der Akropolis, Salamis, Platäa....) lagen nun schon mehr als 140 Jahre zurück. Konnte das der alleinige Grund sein?
Die Perser waren zwar damals in dramatischen Schlachten besiegt worden, aber es lag noch immer eine drohende Gefahr der
Wiederholung über Griechenland. Außerdem mischten sich die Perser nach wie vor in die politischen Belange Griechenlands ein und
zwar durch Geld. Denken Sie dabei nur an den Peloponesischen Krieg, den schrecklichen jahrzehntelangen Bürgerkrieg Athen – Sparta.
Die Idee eines griechischen Feldzuges gegen Persien war nicht neu. Griechische Redner, z. B. Isokrates, riefen immer wieder zu einem Rachefeldzug auf.
Der Antrag Philipps wurde natürlich angenommen. Der heiligen Verpflichtung, die ungesühnten Taten der Perser zu rächen, konnte
und wollte sich natürlich niemand entziehen. Dazu kam noch eine allgemeine perserfeindliche Gesinnung. Als militärischer Führer
wurde natürlich Philipp gewählt. Das Synhedrion verlieh ihm den Titel strategos autokrator – bevollmächtigter Stratege von Griechenland. Philipp war 45 Jahre und er stand auf dem Gipfel seiner Macht. Mord nach der Hochzeit
Es kam jedoch alles ganz anders. Der Tod Philipps ist eine Tragödie und das nicht ganz ohne seine Schuld. Der Historiker H.
Bengtson sagt: “Der König war zweifellos ein überragender Feldherr und Staatsmann, aber er hat nicht gelernt, im Umgang mit Frauen Maß zu halten.“
Das Unglück begann, dass er sich mit 45 Jahren wieder einmal verliebte. Die Auserwählte war Kleopatra, auch Eurydike genannt, ein adeliges junges makedonisches Mädchen, die Nichte des Attalos, eines wichtigen Generals Philipps.
Philipp war rund siebenmal verheiratet, meist morganatisch, von den vielen Freundinnen gar nicht zu reden. Aber diese Ehe war etwas Anderes, sie war gefährlich. Besonders für Olympias und Alexander.
Der Ärger begann bereits bei der Hochzeit. Der unverdünnte Wein tat seine Wirkung. Attalos trank auf Philipp, gab seine Freude zum
Ausdruck, dass endlich eine wahre Makedonin Königin sei und hoffentlich bald ein „echter Kronprinz“ zur Welt komme. Sie können
sich sicherlich vorstellen, welche Wirkung diese Worte auf die Hochzeitsgäste und auf Alexander selbst hatten. Es kam zu einem
fürchterlichen Streit, in dem Alexander sein Schwert gegen den Vater zog. Philipp sprang auf und stürzte auf seinen Sohn zu, fiel
jedoch der Länge nach hin. Sicherlich lag es am Wein, vielleicht auch an seinem durch eine Verwundung verkürzten Bein. Alexander
stand schallend lachend daneben und sagte: “So einer will Asien erobern und kann nicht einmal ein paar Schritte gehen.“
Alexander und seine Mutter Olympias mussten fluchtartig Pella verlassen. Während Olympias in ihrer Heimat Epirus blieb, kehrte
Alexander bald wieder zurück und söhnte sich einigermaßen mit seinem Vater aus. Philipps neue Frau hatte inzwischen eine Tochter und wenige Tage vor dem geplanten Asienzug einen Sohn geboren.
Könnte dieser neue Sohn Philipps Alexander gefährlich werden? Sicherlich. Philipp war noch relativ jung, sein Neugeborener ein
„echter Makedone“, ein Purpurgeborener, da Alexander schon geboren wurde, als Philipp noch Reichsverweser, also noch nicht König
war. Automatisch wurde in Makedonien auch der älteste Sohn nicht König. Außerdem stand hinter der Verwandtschaft der neuen Frau ein politisches und militärisches Schwergewicht. Für Alexander war Gefahr in Verzug.
Vor dem Persienzug wollte König Philipp noch für geregelte Verhältnisse sorgen. Er wollte seine Tochter mit dem König von Epirus,
dem jüngeren Bruder von Olympias, verheiraten. Der Bräutigam war also Onkel der Braut, für die Griechen der damaligen Zeit nichts Außergewöhnliches.
Viele Gäste kamen nach Aigai, die alte Hauptstadt. Philipp wollte die Heirat seiner Tochter auch politisch benützen, um sich in der richtigen Weise von den Griechen zu verabschieden, bevor er nach Asien aufbrach.
Einer alten Zeremonie entsprechend wurden Götterstandbilder in die Arena getragen. Philipp schritt ohne Leibwache hinterher.
Begleitet war er von Alexander und seinem neuen Schwiegersohn. Plötzlich sprang einer seiner Leibwächter aus der Masse der
Zuschauer heraus, stürzte auf Philipp zu, stieß ihm einen Dolch zwischen die Rippen und rannte, die allgemeine Verwirrung
ausnützend, davon. Pausanias, der Attentäter, erreichte fast die Pferde, die vor der Stadt warteten. Es fehlten nur noch einige Meter,
aber er fiel hin und er wurde gefasst. Jetzt gehen die Quellen auseinander. Einige behaupten, Pausanias sei sofort an Ort und Stelle
getötet worden. Andere behaupten, er sei ins Theater zurückgebracht worden, dort verhört und nach einem griechischen Brauch
bestraft worden, indem ihm fünf Eisenklammern um Hals, Arme und Beine gelegt wurden, die an hölzernen Bohlen befestigt waren. Dort ließ man den Täter verschmachten.
Warum wurde Philipp umgebracht? Ein Mitglied der Familie des Attalos habe angeblich den Leibwächter Pausanias vergewaltigt.
Dieser bat Philipp um Rache. Der König wollte aber gegen den mächtigen Onkel seiner jungvermählten Frau nichts unternehmen. So richtete sich die Rache gegen den König selbst.
Wer war der wahre Schuldige? Nach dem Prinzip „Cui bono“ – wem hat es genützt stoßen wir natürlich sofort auf Olympias und
Alexander. Hat Olympias ihren Mann aus verletzter Eitelkeit und aus Sorge um ihren Sohn ermorden lassen? Hat Alexander seinen
Vater ermorden lassen, um sich sein Erbe zu sichern? Waren es vielleicht die Perser, die eingriffen, um den geplanten Perserzug zu
verhindern? Oder war es doch nur eine private Rache? Die Historiker tendieren eher zu einer Mitschuld seiner Frau Olympias. Völlig aufklären lässt sich der Mord jedenfalls nie mehr. Alexander wird König von Makedonien
Der König ist tot, es lebe der König! 336 v. Chr. wurde Alexander von der makedonischen Heeresversammlung zum neuen König
ausgerufen. Er war 20 Jahre alt, von mittlerer Größe und er neigte seinen Kopf immer leicht nach links. Diese Haltung wurde später von vielen nachgeahmt.
Seine Nachfolge war aber nicht ganz unumstritten. Es gab eine Reihe von möglichen Thronkandidaten, die durch ihre Abstammung
Alexander gefährlich werden könnten. Alexander löste dieses Problem auf seine Weise. Er ließ Amyntas, den Philipp einst
verdrängte, einfach umbringen. Der neugeborene Prinz musste ebenso sterben, wie seine ein Jahr ältere Schwester. Olympias, die
nach dem Tod ihres Mannes sofort nach Pella zurückkam, zwang ihre verhasste Nebenbuhlerin zum Tod durch den Strang. Ihr Bruder
wurde auf Alexanders Befehl ermordet. Der mächtige General Attalos, der Onkel von Philipps letzter Frau, wurde mit Zustimmung von
Parmenion, seinem Schwiegervater, ermordet. Attalos befand sich bereits als Vorkommando in Asien. Am Leben blieb nur sein
älterer Bruder Arridhaios, vielleicht weil er schwachsinnig war und somit für die Thronfolge nicht in Frage kam.
Diese Verwandtenmorde stellen sicherlich ein dunkles Kapitel im Leben Alexanders dar. Es gab aber in der damaligen Zeit keine
Kritik an seinem Verhalten. Dies liegt vielleicht auch daran, dass dieses Vorgehen durchaus gang und gebe war und in Makedonien
ganz besonders. Man glaubte nur dann sich ungestört größeren Aufgaben als König widmen zu können, wenn man den Rücken
freihatte und sich keine Sorgen um die eigene Stellung zu machen brauchte. Dieses Verhalten findet sich in der Geschichte immer
wieder. Denken wir nur z. B. an Augustus, der auch in Caesarion, dem Sohn Caesars und der Kleopatra, eine Gefahr sah und ihn bald nach Caesars Tod ermorden ließ.
Wir sehen jedenfalls, dass der junge zwanzigjährige Alexander brutal handeln konnte, wenn es um die Erhaltung seiner eigenen Macht ging.
Und um seine Macht musste er sofort kämpfen. Mit dem Tod Philipps fühlten sich viele der Bündnisstaaten nicht mehr an ihr
Versprechen gebunden. Alexander musste sofort handeln und er tat es auch. Es gärte in Theben und auch in Athen Alexander zog
im Eilmarsch durch die Thermophylen. Theben ergab sich. Athen teilte ihm große Ehren zu und Alexander begab sich nach Korinth,
um den großen Rat des Korinthischen Bundes einzuberufen. Hier in Korinth traf Alexander den berühmten Zyniker, den Philosophen Diogenes, der gerade hier zu Besuch weilte.
Diogenes lehnte die Eitelkeit weltlicher Reichtümer total ab und lebte daher bewusst bedürfnislos in einem Holzfass. Alexander war
von dieser Bedürfnislosigkeit beeindruckt und fragte den Philosophen, ob er was er für ihn tun könne. Diogenes antwortete: „Ja, geh
mir aus der Sonne!“ Alexander soll geantwortet haben: “Wäre ich nicht Alexander, ich wollte Diogenes sein!“
Zu Beginn des Winters verließ Alexander wieder Korinth und zog nach Norden. In Delphi wollte er dem Orakel einen Besuch
abstatten. Alexander kam jedoch zum falschen Zeitpunkt. Die Phytia weissagte nur einmal im Monat an einem bestimmten Tag und
ihm wurde deshalb eine Weissagung verweigert. Alexander fand sich damit natürlich nicht ab, ging zum Haus der Pythia, packte sie,
zerrte sie zum Heiligtum und zog sie an den Haaren. Dabei gestand sie ihm, dass er unbesiegbar sei.
Kaum war Alexander wieder in Makedonien, drohte neue Gefahr. Die Völker im Norden rebellierten und versuchten den Tod Philipps
auszunützen. Auch jetzt musste er sofort handeln. Wenn die Flanken des Königreiches und die Nachschubwege nicht gesichert waren, war an einen Perserzug nicht zu denken.
Der Feldzug im recht gebirgigen Gelände war nicht leicht, aber mit mancherlei Glück und taktischen Geschick blieb Alexander der
Sieger. So musste er z. B. durch einen Hohlweg, der von den Feinden besetzt war. Als die Feinde Holzkarren den Weg
herunterlaufen ließen, machten Alexanders Soldaten eine Gasse. Andere Soldaten legten sich auf den Boden und deckten ihre
Körper mit ihren Schildern zu. Angeblich soll dabei kein Makedone zu Schaden gekommen sein. Ein anderes Mal überquerte er die Donau, indem er Felle mit Heu auffüllen ließ. Alexanders Einfallsreichtum kannte keine Grenzen.
Neben den Thrakern machten auch die Illyrer große Probleme. Aber auch hier war er bald auf dem Weg zum Sieg. In der
Zwischenzeit gärte es wieder in Griechenland. „Alexander ist gegen die Illyrer gefallen!“ so lautete das Gerücht. In Athen wurde sogar
ein Verwunderter vorgestellt, der dieses Gerücht noch bestätigte. „Philipp ist tot, Alexander ist tot“, jetzt glaubten viele, man müsse
die Stunde nützen. Demosthenes, der große Redner Athens, rief zum großen Krieg für die Freiheit Griechenlands auf. Man sagt, er
habe vom Perserkönig 300 Talente bekommen, die er für die Propaganda gegen Alexander einsetzte. Und diese Worte wurden auch
gerne gehört. In Theben wurden makedonische Offiziere ermordet und die Besatzungsmacht in der Burg Kadmeia belagert.
Was sollte Alexander in dieser misslichen Lage tun? Sofort brach er seinen Feldzug gegen die Illyrer ab und zog Richtung Theben.
Für diesen Marsch brauchte er 14 Tage, was eine Marschleistung von ungefähr 30 Km pro Tag bedeutet. Als er vor den Toren
Thebens auftauchte, glaubte man zunächst, dass es sich nur um einen makedonischen General handle. Er war es aber wirklich. Zunächst versuchte Alexander die Stadt durch Verhandlungen in seine Hand zu bekommen.
Als dies nicht gelang, begann die Schlacht am dritten Tag. Zunächst schaute es gar nicht besonders gut für ihn aus, denn die
Thebaner kämpften mit dem Mute der Verzweiflung. Als jedoch die Reserven eingriffen wendete sich das Blatt. Den endgültigen Sieg
brachte ein offenstehendes Ausfalltor, das Alexander rasch besetzen ließ. Als die Makedonen in die Stadt eindringen konnten, war es natürlich mit der Verteidigung zu Ende.
Auch die Makedonen in der bisher eingeschlossenen Burg Kadmeia griffen nun ein und beteiligten sich an den nun stattfindenden Plünderungen. Auf Alexanders Befehl wurde nur das Haus des Dichters Pindar verschont.
Athen war Theben nicht zu Hilfe gekommen. Man muss aber bedenken, dass parallel bereits die Vorbereitungen des Perserzuges
bestanden. Alexander beherrschte nämlich durch seine Flotte sowie durch seine Vorausabteilungen die Dardanellen und er hätte
jederzeit die Getreidelieferungen unterbinden können. Außerdem bestand zwischen Athen und Theben ein mehr als jahrzehntelanges
schlechtes Verhältnis. Wie sollte sich Alexander gegenüber Athen verhalten? Er versuchte nochmals den Weg der Aussöhnung.
Er verlangte die Auslieferung der Rädelsführer. Nach langen Verhandlungen begnügte er sich, dass diese Personen Athen verlassen
sollten. Aus nachträglicher Sicht war dieses Entgegenkommen Alexanders sehr nachteilig, denn besonders Charidemos, der Feldherr
der Athener trat auf Seite der Perser wieder in den Krieg ein und machte Alexander noch viele Schwierigkeiten. Im übrigen vertraute
er auf das abschreckende Beispiel Theben. Nach Abschluss all dieser grenzsichernden und bündnissichernden Maßnahmen kehrte Alexander wieder nach Pella zurück. Das große Abenteuer konnte beginnen. Der Aufbruch nach Asien
Der Aufbruch wurde mit großem Pomp gefeiert. Neun Tage lang wurde gefeiert, die Soldaten erhielten Geschenke, ebenso war Zeit für
wichtige politische Hochzeiten. Alexander wurde dringend geraten, vor dem Aufbruch selbst zu heiraten und nach Möglichkeit einen
Erben zu zeugen. Alexander wies diese Gedanken zurück. Vielleicht, weil er an die Verstrickungen seines Vaters dachte, oder er der
Meinung war, ein unmündiges Kind könnte der Spielball in den Händen von möglichen Thronaspiranten sein. Wenn Alexander
geheiratet und vielleicht auch einen Sohn bekommen hätte, wahrscheinlich wäre die Geschichte in den nächsten zwölf Jahren anders verlaufen.
Natürlich ist Alexander nicht so einfach gegen Persien aufgebrochen. Er konnte auf die Planungen seines Vaters aufbauen. Ebenso
plante in Pella schon lange der große Generalstab. Es wurde nichts dem Zufall überlassen. Wissenschaftler der verschiedensten
Richtungen wurden um Rat gefragt und die Spionagedienste arbeiteten auf Hochtouren. Kallisthenes, der Neffe von Aristoteles, sollte
ebenfalls dabei sein, um als persönlicher Historiker den Erfolg Alexanders der Nachwelt erhalten. Der recht selbstbewusste
Kallisthenes war sich seines Auftrages und seiner Bedeutung sicherlich gewiss. Er soll gesagt haben: „Alexanders Ruhm beruht nur
auf mir und meinem Geschichtswerk.“ Seine Selbstsicherheit und seine Arroganz sollten ihm aber einige Jahre später noch recht schlecht bekommen.
Der 60-jährige Antipater, ein bedeutender General unter Philipp, erhielt das Kommando über Makedonien, Griechenland und den
ganzen Balkan. Er sollte also in der Heimat die Stellung behaupten. Olympias wurde Königin von Makedonien. Es sei schon vorweggenommen: Die Zusammenarbeit zwischen Antipater und Olympias funktionierte nie.
Die meisten Briefe, die Olympias ihrem Sohn nach Persien schrieb, handelten von Problemen und Schwierigkeiten, welche die Zusammenarbeit der Beiden erbrachte.
Parmenion wurde stellvertretender Kommandeur des Heeres und Befehlshaber des linken Flügels. Sein Sohn Philotas, ein Name den wir uns merken sollten, wurde Kommandeur der Berittenen Kampfgefährten.
Anfang Mai des Jahres 334 v. Chr. war es endlich so weit. Alexander brach auf, um das persische Reich zu erobern. Er führte
insgesamt ca. 40 000 Mann mit sich. In dieser Zahl sind die makedonischen Truppen sowie die Kontingente der Verbündeten
eingerechnet. Athen stellte 7000 Hopliten und 600 Reiter. Das war sicherlich nicht viel, aber diese Soldaten waren ohnehin nicht für
einen Kampfeinsatz gedacht. Man hielt sie nicht für zuverlässig genug. Als Geiseln waren sie wichtiger.
Das Heer zog innerhalb von 20 Tagen die Küste entlang bis zum Hellespont und sammelte sich in der Nähe von Sestos. An dieser
Stelle hatte einst der Perserkönig Xerxes, als er Griechenland erobern wollte, vor 145 Jahren den Hellespont überquert. Hier stießen
auch die 160 Schiffe zum Heer, welche die griechischen Verbündeten stellten. Das Heer marschierte in verschiedenen Staffeln und Quartiermeister sorgten für eine ordnungsgemäße Versorgung und Unterbringung. Alexander und Achilles
Das Heer musste jetzt nach Kleinasien übergesetzt werden, mit allem Tross und allen technischen Unterstützungsgeräten. Das war
keine leichte Aufgabe, denn die persische Flotte konnte jeden Augenblick auftauchen und der Gedanke vom persischen Abenteuer
konnte schneller zu Ende sein, als es Alexander lieb sein sollte. Und was tat Alexander? Er übergab das Kommando seinem
bewährten General Parmenion, er selbst hatte ganz andere Pläne. Mit 60 Kriegsschiffen fuhr Alexander über die Dardanellen. Er
selbst steuerte den königlichen Dreiruderer. Während der Fahrt opferte er dem Seegott Poseidon einen Stier und spendete den
Nereiden, den Meeresnymphen, ein Trankopfer. Als die Küste Asiens in Sicht kam, legte er seine Paraderüstung an und übernahm wieder die Position des Steuermannes.
Als das Schiff am Strand, dem sagenhaften ehemaligen Landeplatz der Griechen beim Trojanischen Krieg, auflief, schleuderte er
seinen Speer in die Erde des persischen Reiches um es künftig als „speergewonnenes Land“ zu behandeln. Seit jeher vollstreckte ein
Speer als göttliche Waffe göttliches Urteil. „Speergewonnenes Land“ galt Eroberern daher als von den Göttern geschenkt. Dass
Alexander seine Ilias, seinen Homer bestens kannte, zeigt die nächste Szene. Wie Protesilaos in der Ilias sprang er als erster an
Land. Nur Alexander kam wohlbehalten an, während der homerische Protesilaos sofort von einem trojanischen Speer getötet wurde, der erste Tote im Trojanischen Krieg.
Mit einigen vertrauten Gefährten machte sich Alexander weiter auf die Suche nach der Welt Homers. Nach der Landung beim alten
Achaierhafen war das nächste Ziel Troja. Zu jener Zeit war es nur ein kleines Dorf. Das antike Troja lag noch unter dem Schutt.
Alexander salbte sich mit Öl und lief nackt zum Grab des von ihm so vergöttlichten Achilles. Hephaistion, sein Freund, lief genauso
um das Grab des Patroklos, des besten Freundes von Achilles. Sie sehen hier die Symbolkraft dieser Huldigung. Alexander opferte
im Tempel der Athene seine Kriegsausrüstung und erhielt von den Priestern als Gegengabe Schild und Waffen, die angeblich von
Achilles persönlich stammen sollten. Auch hier sehen wir wieder einen symbolischen Vergleich. Auch Achilles hatte vor dem Auszug nach Troja göttliche Waffen erhalten.
Er war nun seinem homerischen Helden gleich. Alexander hielt diese Waffen in höchsten Ehren. Auf all seinen Weg bis nach Indien
und wieder zurück ließ er diese Waffen von Leibwächtern vor sich hertragen. Alexander soll Achilles als glücklich gepriesen haben, in Homer einen Verkünder und Bewahrer seiner Taten gefunden haben. Die Schlacht am Granikos
Inzwischen hatte das Hauptheer unter der Führung von General Parmenion glücklich über den Hellespont übergesetzt. Die persische
Flotte war nicht erschienen, es war alles gut gegangen. Man sprach schon damals vom sprichwörtlichen Glück Alexanders. Die
Perser behinderten den Übergang nicht. Aus der Sicht des persischen Großkönigs war Alexanders Angriff eine kleine Unordnung am
Rande seines Reiches. Darum kümmerte sich Dareios kaum. Es war eine Angelegenheit seiner dortigen Satrapen, seiner Statthalter.
Es gab auf persischer Seite kein einheitliches militärisches Oberkommando. Memnon, ein bedeutender griechischer Söldnerführer
aus Rhodos, machte den Vorschlag der „verbrannten Erde“. (Denken Sie nur an Napoleons Russlandfeldzug) Man kann sich
vorstellen, wie die örtlichen Satrapen darauf reagierten. Sie sagten sich, dass er, der Grieche, leicht solche Vorschläge machen
könne, aber doch nicht persische Satrapen. Der Vorschlag wurde nicht weiter diskutiert und verworfen.
Das Schlimmste was Alexander hätte passieren können, wäre gewesen, dass es nicht sehr bald zu einer Schlacht gekommen wäre.
Alexander wäre in allergrößte Schwierigkeiten gekommen, denn die Kriegskasse war arg strapaziert. Sie reichte nur für ca. 30 Tage.
Außerdem war die griechische Kriegsflotte sehr teuer. Der ganze Beginn von Alexanders Kriegszug war daraufhin ausgerichtet, sehr schnell eine erste Entscheidung zu finden. Und diese Freude machten Alexander die Perser.
Das persische Heer bezog eine Verteidigungsstellung am kleinen Fluss Granikos. Dieser Fluss entspringt im Idagebirge und an
seiner Quelle sollte nach der Mythologie Paris die berühmte und schicksalhafte Frage nach der schönsten Frau beantworten, die schließlich den Trojanischen Krieg auslöste.
Die Schlacht am Granikos im Mai/Juni 334 v. Chr. ist ein hervorragendes Beispiel für die persönliche Tapferkeit, für die Führungskunst
Alexanders, für sein Glück, aber auch für eine übertriebene Exponierung des militärischen Führers. Die Perser standen am rechten Ufer des kleinen Flusses, die Reiterei direkt am Steilufer, dahinter die griechischen Söldner.
Am Nachmittag des vierten Marschtages war das makedonische Heer direkt im Anmarsch auf den Fluss. Es hatte an diesem Tag bereits ca. 16 km hinter sich.
Als Alexander von der feindlichen Stellung erfuhr gab er sofort den Befehl zur Schlachtaufstellung. Es dauerte einige Zeit, da die
Befehle ja mündlich durch die Reihen gegeben wurden. Vor dem Spätnachmittag war an einen Angriff nicht zu denken. Parmenion
soll Alexander geraten haben, erst einmal zu kampieren, die Soldaten ruhen zu lassen und erst im Morgengrauen den Fluss zu
überschreiten. Alexander lehnte diesen Vorschlag ab und befahl den Angriff. Alexander ritt an diesem Tag ein Ersatzpferd, da
Bukephalos entweder nicht einsatzbereit war, oder er geschont werden sollte. Alexander schickte zunächst leichte Kavallerie über
den Fluss. Als jedoch der Angriff schlecht vorankam, ja zurückgedrängt wurde, griff der König selbst mit seiner Reiterei ein.
Es war kein leichter Kampf. Die Perser wehrten sich mit dem Mute der Verzweiflung. Alexander musste seine Leute immer wieder
anspornen. Sein goldfarbener Helm mit den weißen Federn war weithin zu sehen. So kam es zu dem berühmten kritischen
Augenblick. Sein Speer zersplitterte, er wurde umzingelt, sein Helm zerschlagen, der Satrap Spithridates holte bereits von rückwärts
mit dem Schwert aus, als der Kommandeur seiner Leibwache, Kleitos, dem Satrapen in letzter Sekunde die Schwerthand abschlug.
So schnell hätte die ganze Vision des Rachefeldzuges bereits zu Ende sein können. Alexander konnte aber den Kampf und die
Führung fortsetzen, nahm die im 2. Treffen stehenden griechischen Söldner in die Zange, die Phalanx setzte über den Fluss, griff in den Kampf ein und beendete siegreich den Kampf.
Die persischen Satrapen und auch Feldherr Memnon flohen, die führerlosen Truppenteile, besonders die griechischen Söldner wurden
zusammengeschlagen. Nach Schätzungen der Offiziere Alexanders ca. 15 000 Mann. 2000 Griechen wurden gefangengenommen
und in Ketten zur Zwangsarbeit in die makedonischen Bergwerke geschickt. Alexander wollte damit auch ein Zeichen setzen,
gleichsam als Warnung an die Griechen, sich nicht mit dem Gegner einzulassen. Der König ließ 300 persische Rüstungen nach
Athen schicken, als Weihegabe der Göttin Athene mit folgender Inschrift: „Alexander, der Sohn Philipps, und die Hellenen mit Ausnahme der Spartaner weihen diese als Siegesbeute von den Barbaren, die Asien bewohnen.“
Alexander zeigte nach der Schlacht große Fürsorge für seine verwundeten Männer. Ebenso gab es in der Heimat Unterstützung und Steuererleichterungen für die Getöteten.
Erhebt sich noch eine Frage: Musste sich Alexander während der Schlacht so extrem exponieren? Alexander konnte durch sein
Äußeres vom Gegner leicht erkannt werden. Außerdem führte er von vorne und war so extrem Gefahren ausgesetzt. Alexander
konnte aber auf diese Weise, und wir werden es auch an anderen Stellen noch erleben, durch sein Beispiel seine Leute mitreißen und anspornen und so manche kritische Situation wieder bereinigen.
Alexander setzte einen Makedonen als Satrapen ein, das eroberte Land betrachtete er als „speergewonnenes Land“, als sein
Eigentum. Bei dieser Auffassung ist Alexander geblieben. Seine Herrschaft war eine Herrschaft der Makedonen, keine hellenische. Die Griechen waren seine Mitkämpfer, sonst nichts.
Wenn man den weiteren Marsch Alexanders betrachtet, dann könnte man etwas überrascht sein. Warum marschiert er nicht auf dem
kürzesten Weg Richtung Persien? Die Frage ist relativ einfach zu erklären: Die persische Flotte musste ausgeschaltet werden. Wenn
man die persische Flotte schon nicht in einem Seekrieg ausschalten konnte, die 160 griechischen Kriegsschiffe waren der
persischen Flotte heillos unterlegen. Folglich musste Alexander aus dem Seekrieg einen Landkrieg machen. Das bedeutete, dass
man der persischen Flotte die Operationsbasis entziehen und die Flottenstützpunkte ausschalten musste. Alexander musste also nach Süden ans Mittelmeer ziehen. Die Befreiung der ionischen Städte
Sardes, die ehemalige Hauptstadt Lydiens des reichen Königs Krösus, wurde kampflos übergeben, ein weiterer Glücksfall. Die Lydier
bekamen die Freiheit, was man auch immer darunter verstehen mag. Meistens war es so, dass aus den Tributen für die Perser,
Steuern für Alexander wurden. Die Satrapie Lydien erhielt ein Bruder von Parmenion. Die Finanzverwaltung wurde von der allgemeinen Verwaltung getrennt. Dies ist das erste Beispiel für Gewaltentrennung.
Nächstes Ziel war somit die Eroberung der ionischen Seestädte Ephesos und Milet. In Ephesos nutzte Alexander den Zwist
zwischen den Perserfreunden und den Alexanderanhängern. Die Söldner im persischen Dienst entkamen per Schiff und Alexander konnte ungehindert in Ephesos einziehen.
Milet bereitete dem König wesentlich mehr Schwierigkeiten. Die Stadt wollte sich nicht so einfach „befreien“ lassen und musste
belagert werden. Alexander ließ die vorgelagerte Insel Lade besetzen, um die persische Flotte daran zu hindern, den Belagerten Hilfe
und Unterstützung zu bringen. Mit den mitgebrachten Wurfmaschinen konnten Breschen in die Mauern geschlagen werden und somit
war die Stadt verloren. Die Flotte Alexanders hatte bei der Belagerung Milets eine unterstützende abschirmende Rolle gespielt, doch Alexander hielt jetzt den richtigen Zeitpunkt für gekommen, die gesamte Flotte zu entlassen.
Wie kam Alexander zu diesem Entschluss? Die griechische Flotte war der persischen Flotte in keiner Weise gewachsen. Ebenso
spielte das Geld, das Alexander zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatte, eine große Rolle. Der Unterhalt der Flotte war einfach zu teuer
. In der Flotte dienten 32000 Matrosen, also rund 200 pro Schiff, die monatlich 160 Talente zu bekommen hatten. Er setzte damit alles auf eine Karte. Ab sofort sollte alles durch das Landheer entschieden werden.
Die Situation war für Alexander trotz der anfänglichen Erfolge gar nicht rosig. Die persische Flotte beherrschte die Ägäis, bedrohte
griechische Inseln und konnte somit den Krieg nach Griechenland tragen, Nachschubwege und Verbindungen unterbrechen.
Alexander ließ sich aber nicht beirren. Er setzte seinen Weg zur Küste unbeirrt weiter fort. Es war zu einem reinen Nervenkrieg gekommen.
Die Küste Kariens mit der Hauptstadt Halikarnassos war Alexanders nächstes Ziel. Hier traf er auf eine Dame, die in großer
Bedrängnis war. Die Königin Ada, ihr Bruder war der bemerkenswerte König Mausolos, der das zu den sieben Weltwundern zählende
Mausoleum baute, war von ihrem jüngeren Bruder nach dem Tode ihres Mannes aus der Regierung gedrängt worden. Ada sah in
Alexander einen Hoffnungsschimmer und empfing ihn an der Grenze. In der Hoffnung, wieder in die alte Stellung eingesetzt werden,
kam Ada mit einem tollen Vorschlag. Sie bot die Übergabe von Karien an und verlangte, dass Alexander ihr Adoptivsohn werde.
Alexander empfing Königin Ada mit großer Hochachtung und ging auf den Vorschlag ein. Die Adoption machte ihn im Land sehr
populär. Ada kehrte nach Hause zurück, erhielt ihre alte Stellung wieder, unterstützte Alexander so gut sie konnte und benannte ihre Festung in Alexandria um.
Lange konnte Alexander die neue Rolle als „Adoptivsohn“ nicht genießen. General Memnon, der schon am Granikos gegen Alexander
stand, hatte in der Festung Halikarnassos persische Truppen versammelt. Memnon, der in der Zwischenzeit mit dem Oberkommando
vertraut worden war, hatte die Stadt mit der Flotte und mit Soldaten abgeriegelt und er vertraute auf die starken Mauern der Festung.
Alexander musste daher die Stadt belagern. Das dazu notwendige technische Gerät musste erst mit Schiffen herangeführt und dann weitere 10 km zur Stadt gebracht werden.
Wenn von den Schlachten Alexanders die Rede ist, denkt man in erster Linie an seine berühmten Feldschlachten. Auf seine Zeitgenossen machte aber die Erstürmung stark befestigter Städte einen noch stärkeren Eindruck.
Zunächst versuchten die Makedonen einen 15 m breiten und 7 m tiefen Graben, der die Stadtmauer schützen sollte, zuzuschaufeln.
Dann konnten die Katapulte und Belagerungsmaschinen in Stellung gehen und die Wirkung zeigte sich bald. Doch die Verteidiger
zeigten sich nicht besonders beeindruckt. Sie machten nachts einen Ausfall, zerstörten einen Teil des Belagerungsgeräts, zogen
sich wieder zurück und besserten die Schäden in der Mauer wieder aus. Ein anderes Mal musste Alexander selbst eingreifen, um ein
vorwitziges Regiment wieder herauszuhauen, das sich eigenmächtig zu weit vorgewagt hatte. Alexander musste um die Rückgabe
der toten Makedonen bitten, das in der damaligen Zeit übliche Eingeständnis einer verlorenen Schlacht. Wie groß inzwischen der
Hass unter den Gegnern war, zeigt die Tatsache, dass Ephialtes, der athenische General, sich weigerte, die Toten auszuliefern.
Die Verteidiger nutzten die Stunde ihres Erfolges und brachten Alexander weiter in Bedrängnis. Alexander musste mit glühendem
Beispiel vorangehen, um seine Leute zusammenzuhalten. Da wurde Ephialtes getötet, die Verteidiger zogen sich zurück, die Tore wurden zu früh geschlossen und viele Verteidiger fielen den Makedonen in die Hände.
Ein Teil der Stadt wurde aufgegeben, Memnon zog sich zunächst auf das uneinnehmbare Kastell zurück, dann rückte er mit der
Flotte in die Ägäis ab. 3000 Mann ließ Alexander zurück, um die Erstürmung und Eroberung zu Ende zu bringen. Der endgültige Sieg
konnte erst ein Jahr später erreicht werden. Alexander machte sich weiter auf den Weg an die Küste, um durch eine Art Kontinentalsperre der persischen Flotte weitere Versorgungsbasen abzuschneiden.
Das Jahr 334 war schon weit fortgeschritten. Alexander machte sich bei seinen Truppen sehr beliebt, als er anordnete, dass die vor
dem Abmarsch frisch vermählten Soldaten den Winter bei ihren Frauen in Makedonien verbringen durften. Parmenion wurde beauftragt
, das Belagerungsgerät in Richtung Königsstraße zu bringen. Der König selbst verzichtete auf Winterruhe und marschierte nach Phaselis und zum Hafen Aspendos.
Das erste Kriegsjahr war vorbei und Alexander konnte beachtliche Erfolge aufweisen. Eine völlige Besetzung des Landes war natürlich nicht möglich, so musste man sich auf einige wichtige Punkte konzentrieren. Der Gordische Knoten
Mittlerweile war es Frühjahr 333 geworden. Alexander war nordwärts gezogen, um auf der Königsstraße bei der Stadt Gordion wieder
auf Parmenion, auf die Urlauber und auf die neu angeworbenen Söldner zu treffen. Viele Orte ergaben sich kampflos. Einige wenige
Städte, die Widerstand leisteten, wurden einfach links liegengelassen und diese wurden erst viel später von den zurückgelassenen Satrapen erobert. Alexander war in Eile, er wollte pünktlich beim Treffpunkt ankommen.
Hier in Gordion wurde Alexander mit einer alten Weißsagung konfrontiert. In der Burg des sagenhaften Königs Gordios von Phrygien
stand ein uralter Wagen. Am Joch des Wagens war der sagenhafte unlösbare Knoten befestigt. Die Lösung dieses Knotens verhieß
die Herrschaft über Asien. Alexander löste dieses Problem angeblich durch einen Schwerthieb. Ob diese Geschichte historisch ist,
ist nicht unbedingt belegt. Andere Autoren berichten, dass Alexander nur den Jochnagel herausgezogen habe, um den Knoten von der Deichsel zu lösen. Wahrscheinlich war aber diese Art der Lösung nicht so spektakulär.
Der Aufenthalt in Gordion diente vor allem der Reorganisation des Heeres. Die Kampftruppen mussten neu geordnet und die Urlauber
und Neuzugänge eingegliedert werden. Jetzt zog das Heer nach Ankyra. Die Gebiete unterwarfen sich kampflos. Durch Kappadokien
Alexander gab sich keine große Mühe, die wichtigen Nachschubwege zu sichern. Er ernannte einen Verwalter und weiter ging es.
Wir hören von den Historikern auch nichts von Tributen und Besatzungen in diesem Gebiet. Hier in Kappadokien kam es Alexander
nur darauf an, Konflikte zu vermeiden und alle Kräfte zu sparen. Er konnte keine Truppen abgeben und verteilte großzügig Freiheiten.
Dem Makedonenkönig stand die Auseinandersetzung mit den Persern bevor. Darauf waren seine Pläne gerichtet, die Neuordnung der eroberten Gebiete in Kleinasien eine Nebensache.
Für das südliche Kappadokien setzte er einen Satrapen ein. Das nördliche Kappadokien hat er nie betreten. Er tolerierte eine
unabhängige einheimische Verwaltung. Daher blieb Kappadokien eine Lücke im Organisationssystem des Reiches, welche sich nie
mehr richtig schloss, auch nicht unter den Diadochen. Auch in der späteren römischen Zeit bildete Kappadokien einen Fremdkörper im hellenistischen System.
Was geschah inzwischen auf persischer Seite? Memnon wurde der Oberbefehl übertragen und jetzt wurde auch sein Plan akzeptiert:
Alexander sollte ins Leere vorstoßen. Die persische Flotte hatte den Auftrag in die Ägäis vorzudringen und den Krieg nach
Griechenland, vielleicht auch nach Makedonien zu bringen. Und Memnon hatte Erfolg. Jetzt wurde der Krieg zu einem Nervenspiel.
Alexander machte sich große Sorgen. Da griff plötzlich das Schicksal ein. Memnon verstarb plötzlich und der persische König
Dareios war seines besten Mannes beraubt. Dareios rief in Babylon seinen Kriegrat zusammen. Charidemos, der Feldherr aus Athen,
den Alexander einst verbannen ließ und der inzwischen in persischen Diensten stand sollte der Nachfolger werden. Doch im
persischen Kriegsrat gab es wieder einmal Auseinandersetzungen über die richtige Strategie. Wo sollte man Alexander aufhalten?
Charidemos, der zwar ein tüchtiger Feldherr, aber kein Diplomat war, stellte seinen Plan vor. Als man auf seinen Plan nicht einging,
verlor er völlig die Fassung, Er bezichtigte den persischen Adel der Feigheit. Hier fühlte sich der König selbst angesprochen und er ließ Charidemos auf der Stelle hinrichten.
Dareios bestellte zwar zwei neue Admirale, aber es fehlten nun die Pläne, die eben nur ein Memnon hätte durchführen können. Auch
der Perserkönig sah dies ein. Er bestellte seine Admirale nach Syrien und machte dem Wirken seiner Flottenführer in der Ägäis ein Ende. Das Glück hielt Alexander wieder einmal die Treue.
Der weitere Weg Alexanders nach Süden führte durch ein schwieriges Gebiet, durch einen Engpass, der nur von vier Personen
nebeneinander gleichzeitig begehbar war, die sogenannte „Kilikische Pforte“. Sie war vergleichbar mit einem Canon, zwischen
senkrechten, Hunderte von Metern emporsteigenden Felsmauern. Hier den makedonischen Anmarsch aufzuhalten oder das Heer
Alexanders zu vernichten wäre ein Leichtes gewesen. Aber was geschah? Nichts. Wie ist diese persische Haltung zu verstehen?
Der Gebirgskrieg war den Persern fremd. Außerdem kannten die persischen Strategen die örtlichen Verhältnisse zu wenig. Wahrscheinlich hatten die Generäle im fernen Babylon von der Kilikischen Pforte überhaupt keine Ahnung.
Der Satrap von Kilikien kannte den Engpass natürlich, aber auch er unternahm sehr wenig. Er ließ die „Pforte“ verteidigen, saß aber
selbst friedlich in Tarsos. Als aber die Sperrtruppen den Anmarsch Alexanders bemerkten, flohen sie Hals über Kopf und Alexander
konnte es selbst kaum glauben, dass er ungestört dieses Nadelöhr passieren konnte. Das Glück hatte ihn noch nicht verlassen.
In Tarsus angelangt, erkrankte Alexander sehr schwer. Lag es an einem Bad im eiskalten Kydnosfluss, lag es an den großen
Strapazen, oder lag es dem großen Klimawechsel? Alexander hatte vermutlich eine Lungenentzündung und man rechnete schon mit
seinem Ableben. Vermutlich denken Sie jetzt an Kaiser Barbarossa, der in der Nähe von Tarsus am 10. Juni 1090 in den Fluten des
Kalykadnos den Tod gefunden hat. Philipp, der Leibarzt Alexanders, pflegte den Kranken. Es tauchten Gerüchte auf, der Arzt sei vom
Perserkönig bestochen und er wolle ihn mit einer Medizin umbringen. Durch einen Brief von Parmenion wurde Alexander gewarnt. Der
König ließ seinem Arzt den Brief lesen, während der die Medizin einnahm, um ihm so sein Vertrauen zu dokumentieren. Alexander wurde wieder gesund und tatkräftig wie zuvor. Issos, die Alexanderschlacht
Als der König noch krank war, sandte er Parmenion mit 15000 Mann zu den syrischen Grenzpässen voraus, um den Zugang vor den
Persern zu sperren. Alexander zog nach Aufklärung durch Parmenion auf der Küstenstraße über Issos in die Nähe der heutigen
Stadt Iskenderum. Alexander hoffte, auf seinem Weg Dareios zu treffen. Dies erwies sich jedoch als Irrtum. Dareios hatte aus
unerklärlichen Gründen eine weiter östlich verlaufende Straße genommen um auch in die Ebene von Issos zu gelangen. Im Klartext
bedeutet dies: Alexander und Dareios marschierten, getrennt durch einen Gebirgszug aneinander vorbei, ein Ergebnis fehlender Fernaufklärung.
Alexanders Anmarsch hatte sich durch seine Krankheit verzögert und Dareios wollte scheinbar nicht länger warten. So entstand für
Alexander eine äußerst gefährliche Lage. Der Gegner hatte seine Verbindungslinien zerschnitten und stand jetzt in seinem Rücken.
Dareios wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wo sich Alexander aufhielt. Er erfuhr es von Invaliden und verwundeten und erkrankten
Soldaten, die in Issos zurückgeblieben waren. Die Perser rächten sich auf ihre Weise, indem sie alle diese Soldaten niedermetzelten und ihnen die Hände abhackten.
Als Alexander vom Anmarsch des Dareios hörte, zögerte er nicht, ließ sofort wenden und marschierte in Eilmärschen nach Issos
zurück. Was dies für ein Heer bedeutet, das kann man sich sicherlich vorstellen. Es bestand aus etwa 35000 Fußtruppen und 5000
Reitern. Nach Arrian, dem Alexanderbiograph, soll die Stärke des persischen Heeres 600000 Mann betragen haben, was ganz
sicherlich als weit übertrieben anzusehen ist. So kam es am 1. November 333 zur Schlacht von Issos, zu einer Schlacht mit
„verkehrten Fronten“. Diese Schlacht ist jedem Schüler bekannt durch die berühmte Eselsbrücke: “333 bei Issos Keilerei“
Dareios wollte Alexander folgen, um ihn von hinten anzugreifen. Umso erstaunter war er, als er erfuhr, dass Alexander gedreht hatte
und sich ihm näherte. Dareios empfing ihn in der Ebene von Issos. Das Schlachtfeld war durch das Meer und durch Berge begrenzt,
so dass Dareios seine Übermacht an Menschen nicht voll zur Geltung bringen konnte. Es bestand aber noch immer die große
Gefahr, von der Meerseite umgangen und umzingelt zu werden. Deswegen stand der bewährte General Parmenion wieder an der linken Seite.
Vor der Schlacht ritt der König die Fronten ab, erinnerte die Soldaten an ihre Glanzleistungen früherer Schlachten, sprach jeden
höheren Truppenführer mit Titel und Namen an und gab den Angriffsbefehl. Die Infanterie rückte vor und schon erklang das
markerschütternde Allallallallai über die Ebene und hallte von den Bergen wieder. Alexander trat am rechten Flügel mit der Kavallerie
an. Sein Angriff war tollkühn und ein echter Erfolg. Die gegnerischen Truppen konnten den Ansturm nicht standhalten und wichen zurück.
Nicht so gut erging es der makedonischen Phalanx. Sie musste einen Fluss überqueren und kam wegen der Strömung und der
Wellen nicht gut vorwärts. Die Reihen brachen auf, der Wall der Sarissen teilte sich und in diese Lücken stießen die griechischen
Söldner. Die makedonischen Verluste waren groß, aber sie wären noch größer geworden, wenn Alexander nicht sichelförmig
eingeschwenkt wäre und die Söldner im Rücken erfasst hätte. Parmenion hielt sich am linken Flügel fest an seine Order und konnte
ein Umzingelungsmanöver verhindern. Im Gegenteil, die persischen Reiter wurden zurückgedrängt. Die Reiterei Parmenions preschte vor, versuchte sich mit der Reiterei von Alexander vom anderen Flügel zu vereinigen.
Dareios erkannte die Gefahr der Umzingelung, wendete seinen Streitwagen und floh. Angeblich trafen sich für wenige Augenblicke die Blicke der beiden Könige. Dareios konnte im Schutz seiner Truppen ungehindert verschwinden.
Trotz heldenhaften Widerstands der Perser war damit die Schlacht damit natürlich geschlagen. Der Sieg ist eindeutig der
hervorragenden Kavallerie zu verdanken. Es gelang ihr mit dem rechten persischen Flügel fertigzuwerden, nach links zu schwenken
und die Flanken des gegnerischen Zentrums aufzureißen. Eine derartige reiterische Kunstfertigkeit kann man in der Kriegsgeschichte erst wieder in der Schlacht bei Cannae erleben, als Hannibal die Römer vernichtend schlug.
Historiker heben die Verdienste Alexanders in dieser Schlacht besonders hervor indem sie von der Alexanderschlacht sprechen.
Alexander versuchte seinen Sieg sofort auszunützen. Mit 1000 seiner besten Reiter jagte er Dareios nach, ungefähr 200 Stadien, ca.
36 Kilometer. Hätte ihn Alexander einholen können, so wäre der Krieg wahrscheinlich schon zu Ende gewesen. Wagen,
Königsmantel, Schild und Bogen konnten erbeutet werden. Die Perser hatten auf der Flucht enorme Verluste. Alles ging nach der Devise: “Rette sich wer kann!“
Wo war Dareios geblieben? Vom großen Heer hatten sich nur 4000 Mann der griechischen Söldner in Sicherheit gebracht. Der Rest hatte sich aufgelöst.
Es war Mitternacht, als Alexander wieder ins Lager zurückkehrte. Er hinkte, denn er hatte in dieser Schlacht eine Stichwunde am Oberschenkel erlitten.
In Issos gerieten auch Sisygambis, die Mutter von Dareios sowie seine Frau Stateira, einer seiner Söhne und zwei seiner Töchter in
Gefangenschaft. Als man das Pferd und den Wagen des Dareios vor dem Zelt der gefangenen Frauen vorbeiführte, nahmen diese an,
Dareios sei gefallen und fingen ein großes Wehgeschrei an. Als Alexander dies hörte, ließ er sich in das Zelt der Frauen bringen. Bei
ihm war sein Freund Hephaistion. Als die beiden das Zelt betraten, warf sich Sisygambis zu Boden, jedoch vor dem größeren der
beiden, nämlich Hephaistion. Nach persischer Sitte wäre dieser Irrtum unverzeihlich gewesen. Als die Dienerinnen die Königinmutter
auf dieses Missgeschick aufmerksam machten, versuchte sich diese zu entschuldigen. Alexander bereinigte die äußerst peinliche
Situation, indem er sagte: „Auch er ist Alexander!“ Das Verhältnis zu Sisygambis war stets herzlich. Sie bekam einen Palast, sie
verehrte Alexander wie einen Sohn und sie nahm weder Nahrung noch Wasser zu sich, als sie Jahre später vom Ableben Alexanders hörte, so dass sie selbst nach einigen Tagen verstarb.
Die Beute war riesengroß: 3000 Talente Bargeld und die gesamte Reichskasse, die in Damaskus deponiert war, wurde von
Parmenion erbeutet. Das Münzgeld reichte aus, alle Soldschulden zu bezahlen und das Heer weitere sechs Monate zu bezahlen.
7000 wertvolle Packtiere tragen alles zum Hauptlager zurück. Es befanden sich in Damaskus auch 329 Musikantinnen, 306 Köche,
13 Zuckerbäcker, 70 Weinträger und Mundschenke und 40 Duftsalbenmischer. Sie sehen, was ein persischer König auf seinem Kriegszug alles braucht.
Unter den in Damaskus gefangenen Personen befand sich auch Barsine, die mit Memnon verheiratet war. Sie war eine Frau von
königlichen Geblüt. Angeblich ging Alexander auf Rat von Parmenion mit dieser Frau eine Beziehung ein. Aus dieser Verbindung „zur linken Hand“ stammt ein Sohn namens Herakles.
Die Schlacht bei Issos gehörte zu den großen Wendepunkten der griechischen Geschichte. Alexander fühlte sich nun als
Rechtsnachfolger des Perserkönigs und rechtmäßiger Herr von Asien. Alexander war nun im Besitz der meisten Länder des
Perserreiches, soweit sie sich diesseits des Euphrats befanden. Dareios fühlte sich hinter dem Euphrat in Sicherheit und war für Alexander im Moment nicht erreichbar.
Dieser Sieg machte einen gewaltigen Eindruck, besonders in Griechenland. Man musste Alexander gratulieren, wo man doch insgeheim mit einer Niederlage gerechnet hatte.
Bald erschienen Gesandte des Dareios. In einem Brief von König zu König bittet Dareios um die Freigabe seiner Familienangehörigen
. Er bietet Frieden und ein Bündnis an. Alexander antwortet ebenfalls per Brief. Er berichtet vom Perserzug des Xerxes gegen
Griechenland, von der Zerstörung der Akropolis und er behauptet, dass sein Vater Philipp durch Veranlassung der Perser ermordet
worden sei. Alexander nennt sich selbst Herr von Asien. Der ganze Brief zeugt von Alexanders großem Selbstbewusstsein.“ Tyros, ein Beispiel technischer Überlegenheit
Das Selbstbewusstsein zeigt sich auch in seiner künftigen Marschrichtung. Er wollte weiterhin zuerst in Besitz der Küstenländer
gelangen, wenn dadurch auch Dareios die Möglichkeit gegeben wurde, Hilfskräfte aus den weiten Gebieten seines Reiches zu
sammeln. So zog Alexander nach Phönikien. Viele Städte ergaben sich sofort, aber die große Handelsstadt Tyros leistete entschlossenen Widerstand.
Die Stadt lag mitten im Meer. Zwischen der Stadt und dem Festland existierte eine 800 m und 5,5 m breite Durchfahrt. Alexander
stand scheinbar vor einem unlösbaren Problem zumal er auch seine Flotte nicht zur Verfügung hatte. Alexander ließ vom Festland
aus einen Damm bauen. Dann schaffte man die Belagerungsmaschinen von 53 m Höhe an die Stadtmauern heran. Erst als er
Unterstützung durch die Flotte aus Zypern erhielt, konnte die Stadt auch von See aus abgeriegelt werden. Die Stadt konnte erobert werden.
Alexander zeigte in dieser Schlacht ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit von Flotte, Heer, den Einsatz moderner
Technik (Belagerungstürme und Ballistik) und Einfallsreichtum. Die Makedonen, die 8 Monate durch den Widerstand der Stadt
aufgehalten wurden, kannten kein Pardon. Es gab angeblich 8000 Tote, 30000 Menschen wurden in die Sklaverei verkauft und 2000
entlang der Küstenstraße gekreuzigt. Alexander hatte wieder ein hervorragendes Beispiel der Belagerungstaktik gegeben.
In dieser Zeit soll ein weiteres Friedensangebot von Dareios bei Alexander eingegangen sein. In seinem Angebot ging Dareios über
sein erstes hinaus. Er wollte auf alle Länder westlich des Euphrats verzichten und 10 000 Talente für die Freilassung seiner Angehörigen zahlen.
Wie groß Alexanders Selbstbewusstsein war, zeigt sich auch in einem angeblichen Gespräch mit seinem General Parmenion. Dieser
soll zum Angebot von Dareios gesagt haben: „Ich würde annehmen, wenn ich Alexander wäre“. Alexander soll der Überlieferung nach geantwortet haben: „Ich auch, wenn ich Parmenion wäre“.
Das persische Angebot wurde selbstverständlich abgelehnt. Ägypten – Oase Siwah Das nächste Ziel war Ägypten. Gaza leistete Widerstand, der erst nach zwei Monaten gebrochen werden konnte. War nicht
Alexanders Zug nach Ägypten eine unverständliche Tat? War das nicht Wahnsinn, sich solch einer Gefahr auszusetzen? Wie leicht konnte Dareios die Nachschubwege Alexanders abschneiden!
Doch Alexander wollte sich unbedingt die gesamte Operationsbasis der Flotte sichern. Sicherlich wusste er, wie schwach die
Perserherrschaft in Ägypten war. Tatsächlich wurde Ägypten durch den Satrapen kampflos übergeben. Alexander wurde praktisch als
Befreier begrüßt. Er wurde Rechtsnachfolger der Pharaonen. Am 21. Januar 331 v. Chr. gründete er die Stadt Alexandria, die nach Alexanders Tod zum größten Handelsplatz des Mittelmeeres aufstieg.
Erstaunlich ist Alexanders Zug zur 450 km entfernten Oase Siwah. Mit diesem Zug sind eine Reihe von Legenden verbunden. Die
Führer sollen sich im Weg geirrt haben, das Wasser sei ausgegangen, plötzlicher Regen habe die Rettung gebracht und zwei Raben sollen den richtigen Weg gezeigt haben.
Was wollte er in der Oase? Dort befand sich das Orakel des Gottes Ammon. Es wird berichtet, dass Alexander als einziger das
Heiligtum betreten habe. Die Begleiter mussten draußen warten. Es wurde gemunkelt, dass der Orakelpriester Alexander als Sohn
des Gottes Ammon bezeichnet habe und dass er ihm die Weltherrschaft prophezeite. Kallisthenes, der private Historiker Alexanders,
der in Siwah anwesend war, schrieb später, der Oberpriester, der die griechische Sprache nur leidlich sprach, habe Alexander auf den
Stufen des Tempels als Sohn Amuns begrüßt. Der Priester wollte sicherlich sagen „o paidion“ – mein Sohn, er könnte sich aber
etwas vertan haben und o paidios gesagt haben, was die anwesenden Griechen als pai dios, als Sohn des Zeus, verstanden haben könnten.
Alexander hat weder über seine Fragen, noch über die Antworten gesprochen. Aber irgendwie scheinen ihm die Antworten gefallen zu haben.
Die Verwaltung Ägyptens ist ein Musterbeispiel von Dezentralisierung. Zivile Verwaltung, Finanzverwaltung und militärisches Kommando wurden getrennt. Auf nach Gaugamela
Jetzt war es aber Zeit, sich wieder gegen Dareios zu wenden. Aufstände in Samaria zwangen Alexander zum Aufbruch. Auch Dareios
war nicht untätig geblieben und hatte bereits jenseits des Tigris Streitkräfte zusammengezogen. Im Frühjahr 331 zog Alexander mit
seinem Heer nach Nordsyrien. Der Satrap dieses Landes bekam Alexanders Unmut zu spüren, denn es hatte keine entsprechenden
Vorbereitungen für Aufnahme und Verpflegung des Heeres getroffen. Bei Thapsakos wurde der Euphrat auf Schiffbrücken überschritten, die Hephaistion hatte erbauen lassen.
Dareios wartete inzwischen schon mit einem ungeheueren Herr. Er hatte sich ein Gelände ausgesucht, das für seine Planung günstig
erschien. Um seine sensenbestückten Streitwagen sowie die Kavallerie besser einsetzen zu können, wurde extra der Boden eingeebnet.
Es machte sich wieder, wie bei Issos, das Fehlen einer guten Fernaufklärung bemerkbar. Keiner der beiden Könige wusste zunächst
genau, wo sich der andere befand. Als die Heere in Sichtweite gerieten, beriet Alexander zunächst mit seinen Offizieren. Am
nächsten Tag ritt Alexander das Schlachtfeld in weitem Bogen ab. Er bemerkte, dass Teile des Geländes mit Schlingen, Pfählen und
Fallgruben versehen war. Er sah aber auch, dass gewisse Abschnitte völlig frei waren für den Einsatz der äußerst gefährlichen Sichelwagen. So konnte Alexander den Plan des Persers ungefähr vorausahnen.
Alexander kehrte ins Lager zurück und Parmenion riet ihm, in der Nacht anzugreifen. Alexander lehnte die Argumente ab und soll
gesagt haben: „Ein Alexander stiehlt sich seine Siege nicht in der Nacht!“ In Wirklichkeit wusste er natürlich über die Risiken eines
Nachtangriffes und ließ es lieber. Er grübelte noch tief in die Nacht über seinen Schlachtplänen und schlief erst in den Morgenstunden ein.
Es kam der Morgen des 1. Oktober 331. Die Offiziere und ihre Mannschaften standen schon bereit, nur der Befehlshaber fehlte noch.
Schließlich ging Parmenion ins königliche Zelt und weckte Alexander. Der König musste eine gesunden Schlaf gehabt haben. Die
Entscheidungsschlacht bei Gaugamela konnte beginnen. Es handelte sich hier um eine offene Ebene, keine seitliche Begrenzung
durch Meer oder Berge. Somit bestand die große Gefahr, dass sich die persische Übermacht voll entfalten könnte und dass eine Umzingelung drohte. Dareios hatte auch erstmals 15 indische Elefanten ins Zentrum gestellt.
Nach dem schon bekannten Abreiten der Front und dem Einschwören der Soldaten marschierte er mit rund 47000 Mann dem Feind
entgegen, der ungefähr sechsmal stärker war. Alexander ging schräg vor, das heißt der rechte Kavallerieflügel rückte vor, der linke
Flügel, wieder unter Parmenion hielt sich etwas zurück. Doch beim näherem Herankommen begann er seine Schlachtreihe nach
rechts zu führen. Der eigentliche Sinn dieser Aktion war es, den Schwerpunkt der Schlacht zu verlagern, heraus aus den
vorbereiteten Fallen, hin zu einem mehr welligen und hügeligen Gelände, das für die Streitwagen ungünstiger war. Doch auch die Perser passten sich dieser neuen Lage an.
Um die Gefahr der Umzingelung zu bannen, führte Alexander eine taktische Neuerung ein. Der Schlachtlinie hatte Alexander links
und rechts Abteilungen in Hakenform angesetzt. Sie sollten im Falle einer Gefahr mit der weiter zurückliegenden Reserveeinheit ein offenes speerstarrendes Karree bilden.
Durch die schon angesprochene Rechtsverschiebung des ganzen Schlachtlinie, die die Perser nach links mitvollziehen wollten,
entstand im persischen Heer ein Bruch, eine Lücke, die Alexander sofort erkannte und auch ausnutzte. Er preschte mit seiner
Reiterei vor, Alexander soll dabei einen Speer auf den Großkönig abgegeben haben und seinen Wagenlenker getötet haben. Dareios verlor wieder einmal den Überblick und seine Fassung, er wendete seinen Streitwagen und flüchtete.
Doch nicht an allen Stellen der Schlacht war alles klar. Mehrfach versuchten die Perser, Alexanders Linien zu umgehen, aber die
taktische Planung hielt stand. Auf der linken Seite hatte Parmenion größte Probleme. 3000 persischen Reiter gelang der Durchbruch,
die sich jedoch auf den makedonischen Tross konzentrierten, um die persischen Gefangenen zu befreien. Doch die Perser konnten sich nicht lange halten und wurden wieder zurückgetrieben.
In der Mitte hatte sich auch durch den ungestümen Vorsturm auch eine Lücke ergeben, die auch die Perser sofort ausnutzten. Doch
auch diese Soldaten hatten nur ein Ziel: den Tross. Viele Trossknechte wurden hingemetzelt. Doch Alexanders Reserve griff ein und bereinigte wieder die Lage. Die persische Familie blieb in makedonischem Gewahrsam.
Während Alexander das persische Zentrum in die Flucht schlug, gab es immer noch an anderen Teilen große Problem. Per
Meldereiter wurde Alexander von Parmenion zurückgerufen. Alexander musste die Verfolgung des Perserkönigs abbrechen und
zähneknirschend umkehren. Inzwischen hatte aber auch Parmenion die Lage einigermaßen bereinigt. Alexander war sehr wütend und enttäuscht, denn er wollte ja Dareios in seine Gewalt bringen.
Etwa 3000 Reiter und 8000 Fußsoldaten hatten die Schlacht entschieden, indem sie den ganzen Druck auf die schwache Stelle
richteten. Alexander hatte wiederum einen triumphalen Sieg errungen durch seine Feldherrnkunst und seine persönliche Tapferkeit, aber Dareios war noch auf der Flucht. Persepolis brennt
Alexander zog bald nach Babylon weiter, denn auf dem Schlachtfeld von Gaugamela bestand Seuchengefahr. Die Stadt wurde vom
Satrapen Mazaios, der in der Schlacht bei Gaugamela Parmenion so zugesetzt hatte, kampflos übergeben. Das Volk bereitete
Alexander einen triumphalen Empfang. Alexander hat sich den Babyloniern als großzügiger Herrscher gezeigt. Sie haben ihn verehrt,
weil er die religiösen Bräuche der Einheimischen respektierte. Die Satrapie teilte er wie in Ägypten ein, Mazaios blieb im Amt.
Alexander blieb fünf Wochen in Babylon. Kurz nach seinem Abmarsch stießen 15 000 Mann Verstärkung aus Griechenland und Makedonien zum Heer, das daraufhin umstrukturiert wurde.
Nächstes Ziel war Susa. Hier erbeutete Alexander ungeheuere Schätze, ca. 40 000 Talente. Doch zeigte sich bald, dass nicht alles
eitler Sonnenschein war. Bergstämme leisteten Widerstand und konnten erst nach großen Verlusten und Anstrengungen besiegt werden.
In Persepolis, der alten Königsstadt der Achämeniden, des persischen Herrschergeschlechts, gab es keinen Widerstand. Hier
standen die berühmten Paläste. Hier entlud sich plötzlich der bei den Soldaten schon so lange angestaute Druck in Plünderung und
Raub. Der Palastschatz wurde als Alexanders Eigentum ausgenommen, aber sonst waren den Soldaten keine Grenzen gesetzt.
Zerstörung, Raub und Totschlag waren an der Tagesordnung. Wahnsinnig vor Gier nach einem Anteil der Beute, begannen die
Soldaten untereinander zu kämpfen. Die Rache an Persien war über 100 Jahre ein Thema der griechischen Politik gewesen. Irgendwie konnten sich die Makedonen das Ende des Kriegszuges gar nicht anders vorstellen.
Trotz alles Zerstörungen sorgte Alexander sehr, dass alle Schätze gesammelt wurden. Man fand auch in den Palastanlagen zwei
Statuen, die von Harmodios und Aristogeiton. Beide stammen von der Akropolis in Athen und wurden 480 nach der Zerstörung Athens
von den Persern hierher mitgenommen. Alexander ließ die Statuen wieder nach Athen zurückbringen. Sie stellten die Attentäter von Hipparchos, den Sohn von Peisistratos, dem Tyrannen von Athen dar.
Doch plötzlich brannte der Palast von Persepolis. Wie kam es dazu? Alexander hatte befohlen, eine Brandfackel in den Palast zu
werfen. Eine Tat, die in verschiedener Weise gedeutet wurde. Man sah in dieser Tat einen symbolischen Akt, der das Ende des
Rachefeldzuges darstellte. Andere Historiker sehen darin auch eine Affekthandlung Alexanders. Bei einem großen Siegesfest mit viel
Wein wurde Alexander durch die Hetaire Thais aufgefordert, die Rache zu vollenden. Diese Tat reute Alexander aber bald wieder und
ließ löschen, was zu löschen war. Oder war die Tat doch geplant? Man stellte schon damals fest, dass der Palast bereits vorher ausgeräumt war.
Zunächst hatte Alexander nur ein Ziel: Die Gefangennahme des Dareios. In Pasargadai, in der Nähe von Persepolis, ließ er das
Grabmal des großen Perserkönigs Kyros wieder herstellen. Im Frühjahr 330 gelangte er nach Ekbatana. Hier entließ Alexander die
griechischen Söldner und thessalischen Reiter nach Hause. Sie wurden fürstlich entlohnt und viele zogen es vor, als Söldner weiter
bei Alexander zu bleiben. Alexander führte nun den Titel „König von Asien“. Der griechische Rachefeldzug war vorbei, in Zukunft sollte es mehr ein persönliches Abenteuer Alexanders sein.
In Ekbatana blieb auch Parmenion zurück. Offiziell wurde als Grund sein relativ hohes Alter angegeben. In Wirklichkeit war das
Verhältnis der beiden stark abgekühlt. Parmenion war ein Vertreter des „alten Makedoniens“, ein großer Anhänger Philipps.
Alexander wuchs natürlich auch mit seinen Erfolgen und wollte nicht dauernd einen Besserwisser bei sich haben. Parmenion wäre
auch sicherlich gar nicht mit den weiteren Plänen Alexanders einverstanden gewesen. So blieb er als Etappenkommandeur zurück.
Aber immerhin war Ekbatana eine wichtige Schaltstelle. Hier lief der ganze Nachschub, hier waren immerhin rund 20 000 Soldaten
stationiert. In dieser Stadt war auch die neue Finanzzentrale. 180 000 Talente wurden hier durch Tausende von Packtieren zusammengetragen. Der neue Dareios
Dareios war zunächst nach Medien entkommen. Alexander folgte ihm auf der sogenannten Königsstraße, aber der Vorsprung des
Perserkönigs war zu groß. Dareios hoffte sicherlich, Alexander würde sich mit dem Eroberten begnügen und nicht weiter nach Osten
vorstoßen. Als aber bekannt wurde, dass Alexander auch von Ekbatana bald wieder aufbrach, da nahm das Schicksal seinen Lauf.
Die begleitenden Satrapen hatten offenbar jegliches Vertrauen in ihren König verloren und nahmen ihn gefangen. Als Alexander davon
hörte, steigerte er seine Verfolgung bis an die Grenze des Möglichen. Viele Soldaten mussten erschöpft aufgeben und einige Pferde
wurden zu Tode geritten. Aber letztendlich war jede Anstrengung vergebens. Bei Hekatopylos wurde Dareios seinen Begleitern
schließlich zur Belastung. Um ihn nicht in die Hände Alexanders fallen zu lassen, wurde der Großkönig von Bessos, dem Satrapen von Baktrien, ermordet.
Alexander fand den toten Perserkönig, abseits vom Marschweg, in einem Reisewagen. Dass er noch einige Worte mit Dareios
gesprochen habe, ist sicherlich eine spätere Erfindung. Tatsache ist jedoch, dass Alexanders Hass von einer Minute zur anderen zu
Ende war. Er nahm seinen Mantel ab, deckte Dareios zu und ließ ihn standesgemäß beerdigen. Alexander betrachtete sich nun als der Rächer des Dareios. Sein Gegner war nun Bessos, der sich selbst zum König ernannt hatte.
Auch für Alexander bedeutete der weitere Zug neue Erkenntnisse. Die Völker in den östlichen Satrapien waren religiös fanatisch, die
es den makedonischen Eroberern sehr schwer machten. Alexander musste sein Heer total umstellen. Die Zeiten der großen
Feldschlachten war vorbei. Mit großen geschlossenen Verbänden war hier gegen den Guerillakrieg nichts mehr auszurichten. Für den
hier einsetzenden Kleinkrieg mussten neue Einheiten gebildet werden, der hohe Anforderungen an die Makedonen stellte. Im übrigen
begann Alexander immer öfter Iraner in sein Heer aufzunehmen, was sicherlich den alten Makedonen nicht besonders gefiel. Sie
waren es doch gewesen, die die großen Erfolge erzielt hatten und jetzt sollten sie die Früchte dieser Erfolge mit den besiegten
Persern teilen? So war das Heer Alexander im Jahre 329 ganz anders als zu Beginn des Krieges am Granikos.
Bemerkenswert waren die Marschleistungen auf der Königsstraße, denn Alexander wollte unbedingt Bessos erreichen, der sich in
seine Satrapie nach Baktrien zurückgezogen hatte. Gründungen von weiteren Alexanderstädten kennzeichnen Alexanders Weg. Ermordung von Philotas und Parmenion
Alexander zog zunächst in die Landschaft Drangiane ein und hier in Phra spielte sich ein dramatisches Schauspiel ab: Der Prozess
gegen Philotas, dem Sohn von Parmenion und dem Kommandeur der Reiterei. Doch zur Vorgeschichte: Philotas war ein äußerst
tüchtiger Reiterführer, aber er war nicht unbedingt sehr beliebt bei seinen Kameraden. Er trank viel und brüstete sich seiner Taten und
seiner Tapferkeit. Er behauptete, dass er und sein Vater die ganze Arbeit geleistet hätten, während Alexander nur ein kleiner Junge
sei, der in ihrer beider Namen regiere. Dies erzählte er besonders seiner Mätresse, die es wieder weiter erzählte und so die ganzen
Geschichten bis zu Alexander gelangten. Dieser unternahm zunächst nichts, denn Philotas wurde noch gebraucht. Aber die Freundin
wurde beauftragt, weiterhin gute Beziehungen aufrecht zu erhalten und alles Gehörte zu melden. Aber Alexanders Stunde kam nun in Phra.
Was hatte Philotas verbrochen? Ihm wurde gemeldet, dass ein Attentat gegen den König geplant sei. Der Vertraute bat ihn, da er als
Reiterkommandeur jederzeit Zugang zu Alexander hatte, dies Alexander zu melden. Philotas unterließ die Meldung und machte auch
nach mehrmaligen Nachfragen dem König keinerlei Meldung. Da wandte sich der Mitwisser an einen Pagen Alexanders, der dem König die Nachricht sofort überbrachte. Alexander befahl den Hauptattentäter zu verhaften.
Dieser nahm sich aber vor der Ergreifung noch das Leben. Jetzt sah Alexander seine Stunde für gekommen, um mit Philotas alle
alten Rechnungen zu begleichen. Philotas hatte sich gerade in letzter Zeit nicht als Freund Alexanders erwiesen, als dieser
persische Kleidung trug und persische Hofsitten einführte. Hephaistion und General Krateros bestärkten Alexander in seiner Haltung.
Philotas wurde dem Gericht der Heeresversammlung überstellt. Alexander verstand es, dieses Gericht unter Druck zu setzen. Er
führte Zeugen vor und die eben genannten Generale hielten Philotas sein ganzes Sündenregister vor. Philotas hatte keine Chance. Er
wurde schuldig gesprochen. Jetzt gehen die antiken Berichterstatter nicht konform. Einige berichten, Philotas sei sofort mit Speeren
hingerichtet worden. Andere melden, er sei erst gefoltert worden. Die Marter geschah in aller Stille und er gestand vermutlich, bei
dieser Art der Befragung sicherlich kein Wunder. Der Historiker Schachermeyr glaubt an die Tatsache der Folterung. Er ist der Meinung, man habe sie in Berichten nur weggelassen, um das Alexanderbild nicht zu schmälern.
Philotas war tot, aber das ganze Problem war deswegen noch nicht gelöst. Wie würde sich sein Vater Parmenion verhalten. Er hatte
schon zwei seiner Söhne verloren, einer war bereits in Ägypten bei einer Nilüberquerung ins Wasser gefallen und ertrunken, ein
anderer Sohn war erst vor kurzem in der Wüste gestorben. Parmenion war Etappenkommandeur in Ekbatana und es war zu befürchten, dass er seine Stellung ausnützen könnte und Alexander schwer schaden könnte.
Wie Alexander dieses Problem lösen wollte, liegt auf der Hand. Parmenion musste sterben. Außerdem hielt man ihn für den geistigen
Drahtzieher des ganzen geplanten Attentats. Der alte General stellte eine zu große Gefahr für Alexander dar. Die Ermordung von Philotas machte die Ermordung des immer noch recht mächtigen Parmenion nötig.
Alexander schickte einen Freund von Parmenion nach Ekbatana, um dem alten General Briefe und Meldungen zu übergeben. Nach
elf Tagen erreichte er mit Rennkamelen quer durch die Wüste Ekbatana. Er hatte auf diese Weise den normalen Weg um drei
Wochen verkürzt. Das Gerücht war dieses Mal langsamer, man wusste hier noch nichts von den traurigen Ereignissen. In Ekbatana
besuchte der Bote zunächst die Generäle, welche die Nachrichten Alexanders erhielten, Am nächsten Tag besuchten alle den
greisen Parmenion. Dieser öffnete die Post, las einen fingierten Brief seines Sohnes und wurde von den begleitenden Generälen
erstochen. Der Todesbefehl stand in den Briefen. Es gab unter den 20000 Soldaten großen Aufruhr und sie konnten erst beruhigt
werden, als ihnen der Brief Alexanders vorgelesen wurde, dass Parmenion und Philotas den König töten wollten.
Die Ermordung Parmenions ist nach Bengston durch nichts zu rechtfertigen, man kann nur sagen, dass Alexander hier ein
Verbrechen begangen hat. Das ist umso schlimmer, als Parmenion sich die größten Verdienste für Alexander und Makedonien erworben hatte. Über den Hindukusch nach Baktrien
Bevor er in Baktrien einrücken konnte musste erst der schneebedeckte Hindukusch überwunden werden. Bengston beurteilt diesen
Übergang als eine wesentlich bemerkenswertere Leistung als der berühmte Alpenübergang des Karthagers Hannibal. Jedoch hatte er
keine Elefanten dabei. Von den Soldaten wurden hierbei ganz gewaltige Leistungen und Strapazen abverlangt. Sie mussten Hunger
und Entbehrungen erdulden und Alexander teilte wie immer das Los seiner Männer. Schließlich gelangte er in die Provinz Sogdiane.
Hätte Bessos jetzt Alexander angegriffen, das arg strapazierte makedonische Heer wäre sicherlich in arge Bedrängnis geraten. Aber
Bessos war auch kein genialer Feldherr. Er brannte zwar einen Teil der Ernte nieder, zog sich aber beim Näherkommen Alexanders zurück.
Alexanders Glück hielt also immer noch an. Dies wurde noch gesteigert durch weitere gute Nachrichten. Inzwischen waren 21 000
Mann Verstärkung aus Griechenland angekommen. Er traf hier auch den Satrapen Artabazos, den Vater seiner Mätresse Barsine,
der ihm meldete, dass er persönlich in einem Gefecht den Dareios-Mitmörder Satibarzanes mit einer Lanze getötet habe.
Satibarzanes war Alexander in die Hände gefallen und von ihm begnadigt worden. Dieser hat aber dieses Vertrauen schwer enttäuscht. Kaum war Alexander weitergezogen, rebellierte er und überfiel die Nachhut Alexanders.
Um das Glück abzurunden: die unentschlossene Taktik von Bessos machte ihn auch bei seinen Untergebenen unbeliebt. Er wurde
von seinen eigenen Leuten gefangengenommen und Alexander übergeben. An Bessos hat Alexander die Strafen vollziehen lassen,
die das persische Strafrecht für Königsmörder vorsah: Laut Bengston: Abschneiden der Ohren und der Nase. Bessos wurde
anschließend in das 1000 km entfernte Ekbatana gebracht, wo er hingerichtet wurde, wahrscheinlich durch Zerstückelung seines Körpers, vielleicht auch durch Kreuzigung.
Wenn man glauben würde, jetzt würde Ruhe herrschen, so täuscht man sich. An Bessos Stelle trat Spitamenes als Führer der
Rebellen. Hätte Spitamenes zu früheren Zeiten an maßgeblicher Stelle gestanden, so wäre es für Alexander vermutlich wesentlich
schwieriger geworden. Er war der letzte große Freiheitskämpfer der Iraner, der bedeutendste Gegner, den Alexander im Nordosten
des Perserreiches gefunden hatte. Er vermied offene Feldschlachten. Er war mit seinen Reiterscharen außerordentlich wendig und er
nutzte die Gegebenheiten des Geländes sehr gut aus. Er brachte Alexander mehrere Niederlagen bei. Wurde er geschlagen, so zog
er sich in die Weite der Steppe zurück und war nicht mehr erreichbar. Meistens schlug er dort zu, wo sich Alexander gerade nicht befand.
Beim Marsch durch Baktrien hatte zum Beispiel Alexander 2000 nach Marakanda vorausgeschickt und drei Etappengeneräle
mitgegeben. Spitamenes griff das zu gering ausgewählte Regiment an. Die makedonischen Generäle waren sich nicht einig und
Spitamenes massakrierte alle 2000 bis auf den letzten Mann. Für Alexander war dies natürlich auch eine persönliche Niederlage, die
er aber nicht wahr haben wollte. Schließlich hatte er das Kontingent zu klein bemessen und die Auswahl der Offiziere war falsch. Er schob die Niederlage auf persönliche Feigheit der Soldaten.
Diese Tatsache sollte bald eine entscheidende Rolle spielen. Doch wieder einmal schlug sich Fortuna auf die Seite Alexanders.
Spitamenes suchte sich als Bundesgenossen die Skythen. Nach Berichten des Historikers Arrian fühlten sich diese jedoch dadurch
in einen Krieg mit Alexander hineingezogen, den sie nicht wollten. Sie nahmen Spitamenes fest, schlugen ihn den Kopf ab und
sandten diesen zu Alexander. Alexander hielt seine Familie in Ehren. Bei der Massenhochzeit in Susa, von der wir noch hören
werden, verheiratete er Apame, die Tochter des Spitamenes mit Seleukos, einen bedeutenden späteren Diadochen. Die Kämpfe im östliche Iran haben nahezu drei Jahre gedauert. Sie waren außerordentlich schwer. Alexander heiratet Rhoxane
Auch im persönlichen Leben Alexanders hat sich eine Wandlung vollzogen. Die Makedonen unternahmen eine Expedition gegen eine
Burg des Arimazes auf dem Sogdianischen Felsen in der Nähe von Samarkand-Marakanda. Arimazes vertraute auf die
Uneinnehmbarkeit seiner Burg, als er Alexander mitteilen ließ, nur fliegende Soldaten könnten seine Burg einnehmen. Unmögliches
war für Alexander nur ein spezieller Ansporn. Durch ein alpinistisches Glanzstück konnte jedoch die Burg erobert werden. 300
Gebirgsspezialisten erstiegen einen Felsen, der noch über der Burg lag und seilten sich von dort in die Burg ab. 30 Soldaten verloren
dabei ihr Leben. Arimazes übergab die Burg, doch Alexander, verärgert durch die lange Verzögerung, ließ diesen hinrichten.
Bei der Übergabe der Burg geriet Rhoxane in makedonische Gefangenschaft. Zum ersten und einzigen Mal hat eine Frau einen tiefen
Eindruck auf Alexander gemacht. Sie war damals erst 13 Jahre alt und galt als schönste Frau Asiens. Die Hochzeit wurde nach
persischer Sitte durchgeführt. Gemeinsam verzehrten Rhoxane und Alexander ein Brot, das der König in zwei Teile geteilt hatte.
Diese Sitte soll in dieser Gegend noch heute anzutreffen sein. Die Verwandten der Frau nahmen am Hof Alexanders eine hohe Stellung ein. Barsine, die bisherige Mätresse, wurde mit ihrem Sohn Herakles nach Pergamon abgeschoben.
Kurz später konnte Alexander wieder all seine Raffinesse, Taktik und Technik beweisen, als er wieder eine Felsenburg eroberte, doch
dieses Mal musste erst eine Schlucht mit Material aufgefüllt werden, um an die Burgmauern heranzukommen. Eine technische Meisterleistung, wenn man bedankt, dass ja der ganze Vorgang unter feindlichem Beschuss stattfand. Alexanders Verschmelzungspolitik und die Kleitosnacht
Im Lager und in der Nähe Alexanders sah man immer mehr Iraner. Sie spielten im Heer und Hof eine immer größere Rolle. Iranische
Sitten, wie soeben vermerkt, hielten immer mehr Einzug. Alexander schickte sich an, Nachfolger der persischen Großkönigs zu
werden. Er hatte erkannt, dass die Kräfte Makedoniens nicht ausreichten, die Welt zu beherrschen. Es musste früher oder später zu
einer Verschmelzung zwischen Siegern und Besiegten kommen. Mit seiner Vermählung mit Rhoxane wollte Alexander schon ein erstes Zeichen setzen.
Dass Alexanders Verhalten nicht bei allen alten Makedonen Zustimmung fand, liegt schon auf der Hand. Hier liegt auch der tiefere
Grund des bereits angesprochenen Philotas-Parmenion-Konflikts. Die Tragik fand ihren Höhepunkt in Marakanda, dem heutigen
Samarkand. Hier in der Hauptstadt Baktriens, am „Rande der Welt“ gab es eigentlich nur ein Mittel, die Trostlosigkeit zu vertreiben:
den schweren baktrischen Wein, den die Makedonen natürlich unverdünnt tranken. Die abendlichen Gelage nahmen im Leben
Alexanders einen immer größeren Platz ein. Man trank sich gegenseitig zu, jeder musste mittrinken, Ablehnung wäre eine
Beleidigung gewesen. Es wurde getrunken, bis sich das Gelage von selbst auflöste, bis alle unter dem Tisch lagen. Es kam oft zum
Wett- und Kampftrinken. Alexander brauchte manchmal 36 Stunden, um wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen.
Ein solcher Abend fand auch wieder einmal statt. Es ging hoch her und ein griechischer Sänger machte sich lustig über die 2000
Makedonen, die erst vor kurzer Zeit von Spitamenes massakriert worden waren. Ihnen wurde Feigheit vorgeworfen. Alles grölte und
man forderte den Sänger auf, weiter zu singen. Kleitos, der alte Reitergeneral, der Alexander bei der ersten Schlacht am Granikos
das Leben gerettet hatte, glaubte die Ehre der Verstorbenen retten zu müssen und machte Alexander Vorwürfe. Kleitos rief:
“Schlecht ist es in Feindesland unter Barbaren am Platze, wenn Makedonen verlacht werden, die selbst im Unglück noch trefflicher
wären, als griechische Spötter“. Alexander vertrug nüchtern kaum Widerspruch, betrunken schon gar nicht. Das Temperament ging mit Alexander durch und er verlor völlig die Beherrschung.
Kleitos, der natürlich auch nicht mehr ganz nüchtern war, reizte Alexander bis aufs Blut. Alexander rief: „Sich selber klage nur an,
wer Feigheit als Unglück verteidigt!“ Seinen Lebensretter als Feigling zu bezeichnen, war natürlich eine Ungeheuerlichkeit. Kleitos
fand die richtigen Worte und rief zurück: „Und diesem Feigling verdankst du dein Leben.“ Kleitos warf ihm vor, alle makedonischen
Grundsätze über den Haufen zu werfen, die Verschmelzungspolitiker, er verleugne seinen Vater Philipp und verspottete ihn als Sohn
Amuns. Er schrie: “Glücklich die Toten, denen der Anblick erspart blieb, wie Makedonen mit iranischen Ruten geschlagen werden,
wie sie sich an persische Hofbeamte wenden müssen, um Zutritt zu dir zu erlangen.“ Damit hatte Kleitos das Heiligste des Königs berührt.
In Wut schleuderte Alexander mit einem Apfel nach Kleitos. Er griff nach seinem Dolch, doch diesen hatten Diener vorsorglich schon
beseitigt. Seiner Waffe beraubt, glaubte Alexander sofort an Verrat und er rief die Palastwache. Besonnene Freunde zogen Kleitos
aus dem Zelt, um ihn zu beruhigen. Kaum war jedoch Kleitos allein, zog es ihn wieder ins Königszelt zurück. Er hatte sich
keineswegs beruhigt, sondern rief Alexander die Verse des Euripides zu: „O welch faule Sitte herrscht in Griechenland“! Nun war
Alexander nicht zu halten. Er riss wutentbrannt einem Palastwächter den Speer aus der Hand und durchbohrte Kleitos.
Sofort wurde Alexander nüchtern, erkannte die Situation, riss den Speer aus der Leiche und wollte sich selbst damit töten.
Gewaltsam musste man sie ihm entwinden. Alexander war für die nächsten Tage nicht zu sehen und zu sprechen. Aufrichtig
bedauerte er seine Tat. Er schämte sich, dass er sich als der Sohn Gottes zu einer solch wenig königlichen Handlungsweise habe
hinreißen lassen. Die Lage änderte sich erst, als die Heeresversammlung entschied, dass Kleitos der Schuldige sei und der König richtig gehandelt habe.
Noch einige Worte zu Kleitos. Was trieb ihn zu solchen Ausfällen? Kleitos war ein Vertreter der alten Schule. Die neue
Verschmelzungspolitik gefiel ihm überhaupt nicht. Außerdem war seine Zeit auch schon vorbei. Für besondere Kampfeinsätze wurde
er nicht mehr vorgesehen. Er sollte Satrap in Baktrien und Kommandeur von 15 000 Mann werden. Auf den ersten Blick eine
verantwortungsvolle Position. Kleitos fühlte sich jedoch am Rande der Welt abgeschoben, vom aktuellen Geschehen ausgeschaltet und degradiert. Zu all dem Verdruss kam noch der viele Wein ...... Proskynese
Beträchtliche Spannungen entstanden durch Alexanders Versuch, auch bei den Griechen und Makedonen die Proskynese, die
Verehrung eines Menschen durch Fußfall einzuführen. Diese Zeremonie galt den Makedonen als unwürdig, den Perser war diese
Verehrung jedoch ganz angemessen. Im Sinne der schon angesprochenen Verschmelzung wollte Alexander hier eine
Gleichbehandlung herbeiführen. Besonders der Hofhistograph Kallisthenes stellte sich gegen dieses neue Hofzeremoniell.
Bei einem speziellen Fest sollte dieses neue Ritual im Kreise ausgewählter Geladener einführt werden. Für die Makedonen und
Griechen sollte die Proskynese in etwas moderater Form angewendet werden. Jeder Gast sollte Alexander zuprosten, anschließend
seine eigenen Fingerspitzen küssen, dem König einen Handkuss zuwerfen, leicht in die Knie sinken und anschließend von König mit einem Kuss belohnt werden. Hephaistion eröffnete die Reihe der Huldiger, viele folgten.
Es wird überliefert, dass einer der Gäste sich um die Zeremonie etwas herummogelte, indem er seinen Siegelring fallen ließ, sich
bückte, um diesen aufzuheben und so die entsprechende Haltung vortäuschte. Als Kallisthenes an die Reihe kam, verzichtete er auf
die entsprechende Huldigung und ging direkt auf Alexander zu, um sich seinen Kuss abzuholen. Alexander war gerade abgelenkt,
hatte den Fußfall nicht gesehen und wollte ihm den Kuss geben. Der König wurde jedoch von einem seiner Nahestehenden darauf
aufmerksam gemacht. Daraufhin verweigerte der König den obligatorischen Kuss. „Also gut, so gehe ich um einen Kuss ärmer fort“, war die Antwort des Kallisthenes. Pagenverschwörung
Das Verhältnis Alexander – Kallisthenes wurde deutlich kühler und es fand seinen Höhepunkt in der sogenannten
Pagenverschwörung. Was war geschehen? Auf der Jagd wurde ein Wildschwein in Richtung Alexander getrieben. Aber bevor
Alexander das Tier erledigen konnte, hatte ein Page das Tier schon getötet. Dem König stand immer der erste Speerwurf zu und so ließ er den Pagen auspeitschen.
Aus übersteigertem Ehrgefühl plante der Betroffene den König zu töten. Unter seinen Pagenkollegen fand er noch vier weitere
Anhänger, die ebenfalls glaubten, einen Grund zu haben, Alexander zu töten. Ihre Väter waren in letzter Zeit degradiert, abgeschoben
und einer sogar hingerichtet worden, weil dieser den Befehl, im abgelegenen Baktrien einen Posten anzunehmen, verweigerte. Den
Jungen war es leicht möglich, Zugang zu Alexanders Zelt zu haben. Sie mussten nur warten, bis der Dienstplan sie alle gemeinsam
zum Dienst verpflichtete. Als der entsprechende Tag kam, feierte Alexander wieder einmal ein rauschendes Fest und Trinkgelage. Er ging erst bei Tageslicht in sein Zelt, als die nächtliche Wache schon abgelöst worden war.
Das lange Trinkgelage hatte Alexander gerettet. Die Pagen wurden nervös. Einer erzählte schließlich den Plan seinem Freund, dieser
einem anderen und bald war der Attentatsplan beim König. Alexander ließ die entsprechenden Pagen sofort verhaften, foltern und hinrichten.
Sehr bald suchte man nach dem eigentlichen, einem älteren Drahtzieher und Kallisthenes war der Lehrer der Pagen. Der Schriftsteller
Aristobulos berichtet, dass die Pagen unter der Folter ausgesagt hätten, dass sie von Kallisthenes zu dieser Tat gedrängt worden seinen. Kallisthenes wurde verhaftet, verurteilt und hingerichtet. Indienfeldzug
Kehren wir zur Politik zurück. Alexander war nun nach dem Tode der persischen Königsmörder und Rebellenführer der
uneingeschränkte Herrscher von Asien. Man könnte sagen, jetzt war der große makedonische Traum erfüllt, der Rachefeldzug
beendet. Jetzt könnte man doch in die Heimat zurückkehren. Doch weit gefehlt. Alexander hatte bereits einen neuen Feldzug in der
Planung. Indien hieß das Zauberwort. Man könnte fragen: „Was will er denn dort, was will er denn noch?“ Alexander hatte bereits mit
dem indischen Fürsten Taxiles Kontakt aufgenommen. Militärisch-strategischen Notwendigkeiten ist dieser Zug nach Indien nicht entsprungen.
Es bestand für Alexander kein Anlass, sich den unübersehbaren Gefahren eines Indienfeldzuges auszusetzen. Vielleicht gibt das
Weltbild Alexanders eine Erklärung. Man dachte sich an der Ostgrenze Indiens den Okeanos, das Weltmeer, und dieses zu
erreichen ist doch wohl das Ziel Alexanders gewesen. Wollte er gleichsam ans Ende der Welt? Der Historiker Bengtson ist der
Meinung, dass Alexander das Perserreich mit seiner Ausdehnung nach Indien, mit Einschluss Indiens erobern wollte. Er hat sich in seinem Leben nie mit halben Dingen beschäftigt.
Der Weg führte Alexander und sein Heer von Baktrien bis zum Hindukusch. Mit dem Heer bewegte sich ein riesiger Tross von Völkern
aller Nationen durch das Kabultal. Dann musste durch die Erstürmung des Aornosfelsens der Weg ins Fünfstromtal geöffnet werden.
Hier konnte Alexander wieder einmal seine Begabung als Belagerer und Meister in der Erstürmung uneinnehmbarer Burgen beweisen. Dabei wurde er selbst wieder einmal verletzt.
Vorsorglicherweise hatte der König über den Indus eine Schiffsbrücke durch Hephaistion errichten lassen und jenseits fand er die
Unterstützung durch Taxiles. Indien war für die Makedonen eine völlig unbekannte Gegend kennen. Die schwerste Prüfung stand
Alexander noch bevor: die Auseinandersetzung mit dem indischen König Poros. Dies war für Alexander die letzte große Feldschlacht.
Der Ort der Schlacht lag am Fluss Hydaspes. König Poros erwartete Alexander mit 200 Kriegselefanten am anderen Ufer. Alexander
ließ den größten Teil des Heeres zurück, fand stromabwärts einen Flussübergang und konnte so Poros in den Rücken fallen. Mit den
Elefanten wurden die Makedonen leicht fertig. Der König hatte den Befehl gegeben, die Lenker der Elefanten unschädlich zu machen. Darauf gerieten die Tiere außer Kontrolle und richteten im eigenen Heer großen Schaden an.
Die Inder kämpften äußerst tapfer, die Schlacht aber ging verloren und Poros, der in dieser Schlacht zwei Söhne verloren hatte, kam
verletzt in Gefangenschaft. Alexander hatte vor Poros Tapferkeit die höchste Achtung und beließ ihm sein Reich.
Poros hat sich stets als treuer Vasall erwiesen. Sechs Jahre nach Alexanders Tod wurde er von einem Makedonen ermordet.
Zwei Städte wurden gegründet: Nikia, die Siegesstadt und Bukephala, die Stadt, die an Bukephalos erinnerte, der hier an Altersschwäche gestorben war.
Alexander wollte den Indus stromabwärts befahren. Es wurde eine Flotte gebaut, die das Heer aufnehmen konnte. Vorerst zog das
Heer weiter und gelangte an den Fluss Hyphasis. Dies war der östlichste Punkt, den Alexander in seinem Leben erreichte. 18 000 km von Makedonien entfernt. Hier erhielt er auch die Kunde vom Ganges.
Am Hyphasis (Bias) waren jedoch die Makedonen am Ende ihrer Kräfte. Der monatelange Dauerregen, angeblich 70 Tage, dazu die
Furcht, in unbekannte Fernen geführt zu werden, schlugen sich in einer tiefen Depression der Makedonen nieder. Die Soldaten waren völlig verausgabt, seelisch und körperlich.
So kam es zur berühmten Meuterei am Hyphasis. Die negative Stimmung überbrachte der alte General Koinos zu Alexander. Dieser
war natürlich aufgebracht und sagte, wenn ihn alle verlassen würden, so ginge er alleine weiter. Dann wandte er sein altes
Erpressungsmittel an. Er zog sich in sein Zelt zurück und ließ sich tagelang nicht mehr sehen. Aber die Makedonen waren
tatsächlich am Ende und ließen sich nicht mehr beeindrucken. Als auch noch die Opfer ungünstig ausfielen, musste Alexander
nachgeben. Für Alexander war dieser Tag ganz besonders, denn er musste zum ersten Mal einsehen, dass er seinen Willen nicht
immer durchsetzen konnte. Der Historiker Wilcken sagte, dass ein Stachel in seiner Seele zurückgeblieben sei.
Es ging also zurück, aber Alexander wäre nicht Alexander, wenn er auf dem alten Weg zurückgekehrt wäre. Er wollte seine
Indusfahrt fortsetzen. Die reichsten seiner Freunde wurden als Finanziers herangezogen. Den Befehl der Indusflotte übernahm
Alexanders alter Freund, der Kreter Nearchos. Arrian beschreibt ausführlich diese Flussfahrt, besonders den Transport der Pferde, den die Inder noch nie erlebt hatten.
Noch einmal warteten schwere Kämpfe auf die Makedonen. Beim Sturm auf die Mallerstadt gab es Rückschläge. Alexander ergriff
selbst eine Sturmleiter und stieg auf die feindliche Stadtmauer, begleitet nur von General Peukestas und einigen Leibwächtern.
Alexander wurde dabei von einem Pfeil getroffen. Ein Lungenschuss war Alexanders schlimmste und gefährlichste Verwundung. Die
Feinde stürmten auf die wenigen Eindringlinge vor und Alexander Leben konnte nur gerettet werden, da seine Leibwächter den
Ohnmächtigen todesmutig verteidigten. Inzwischen bemerkte man Alexanders Notlage, ein sofortiger Gegenangriff sprengte das Stadttor und Alexander konnte befreit und auch gerettet werden.
Die Indusfahrt bis Pattala dauerte rund neun Monate. Die Gründung mehrerer Städte und Flottenstützpunkte zeigt, dass er das Land fest im Griff hatte. Zug durch Gedrosien
Von allen Taten Alexanders ist sein Zug durch die gedrosische Wüste am bemerkenswertesten. Er hätte es leicht gehabt, wenn er
den nördlicheren Weg durch Arachosien eingeschlagen hätte, auf den General Krateros einen Teil des Heeres nach Persien
zurückgeführt hat. Dieser Zug über 1600 km ist und bleibt ein Rätsel. Dem jungen König war bisher alles gelungen. Nun wollte er
scheinbar das Unmögliche versuchen. Alexander hat diesen Versuch auch durchgeführt, aber um welchen Preis. Viele seiner
Mitkämpfer waren den Strapazen nicht gewachsen und starben an den täglichen Entbehrungen, an dem Mangel an Trinkwasser und
essbaren Lebensmitteln. So sehr sich der König auch bemühte, auf seine Leute psychologisch einzuwirken, der Zug durch Gedrosien
endete mit sehr hohen Verlusten. Weit auseinander lagen die Wasserstellen. Die erbarmungslose Sonne gestattete nur einen Marsch
bei Nacht. Fand man Wasser, so war es nicht selten bitter und salzig und machte die Trinkenden krank. Auch giftige Schlangen und
Pflanzen brachten den Soldaten Unheil. Die Wagen blieben im Sand stecken, die Lasttiere und Pferde verendeten oder mussten geschlachtet werden. Dazu kam noch, dass sich die Führer verirrten.
Ein anderes Mal brachte gerade das feuchte Element Unglück. Die Soldaten lagerten in einem Wadi, doch durch plötzliche
Regengüsse schwoll das Wadi an und bedrohte die Lagernden. Wer mit dem Leben davon kam, konnte nur das nackte Leben retten.
Erst nach rund 60 Tagen ging das Elend zu Ende. Bengtson bezeichnet das Unternehmen als den Ausdruck eines gesteigertem Selbstbewusstseins, der in seiner Hybris den Tod vieler Gefährten verschuldet hat.
Schuld hatten natürlich nur die anderen. In diesem Fall soll es der benachbarte Satrap gewesen sein, der den Zug des Heeres nicht genug unterstützte.
Für den König war es ein absoluter Glücksfall, dass es Admiral Nearchos gelungen war, wieder Verbindung mit den Heer
aufzunehmen. Zu Beginn des Jahres 324 war Alexander wieder in Pasargadai eingetroffen. Hier gab er den Befehl, das Grabmal des Perserkönigs Kyros wiederherzustellen, das in der Zwischenzeit geplündert worden war.
Was hatte Alexander mit dem Zug nach Indien erreicht? Er war nun unumstritten der Nachfolger der Achämeniden, das gesamte
Perserreich lag ihm zu Füßen. Er hatte, um seine Herrschaft zu festigen, eine große Anzahl von Städten im Iran und in Indien
gegründet. Zahlreiche vornehme Perser hatten ihren Frieden mit Alexander gemacht und auch in Indien fühlten sich eine Reihe von
Vasallenfürsten mit Alexander eng verbunden. Alexanders Herrschaft hatte eine Größe erreicht, wie es in der antiken Welt niemals
etwas Vergleichbares gab. In diesem Reich lebte eine große Zahl von Völkern verschiedener Sprache und Kultur.
Aber es gab auch negative Dinge. Da waren die ungeheuer weiten Verbindungen, die Schwierigkeiten mit der Übermittlung von
Nachrichten, gelegentlich auch mit der Verpflegung seines Heeres. Auch mit der Aufsicht über die nahezu selbstständig gewordenen Satrapen stand es nicht immer zum besten. Säuberung der Satrapien
Alexander war nicht weniger als fünf Jahre auf seinem Zug durch den Iran und nach Indien abwesend gewesen und immer wieder
waren Gerüchte aufgetaucht, dass der König tot sei. Man rechnete nicht mehr mit der Rückkehr Alexanders. So machten sich
Disziplinlosigkeit, Ungehorsam und Selbstständigkeitsstreben, Unruhe und Rebellion deutlich bemerkbar. Manche makedonische
Beamte konnten einem gewissenlosen Pascha-Dasein nicht widerstehen, so dass sie auf persönliche Bereicherung besonders
bedacht waren. Erpressung von Untertanen, sexuelle Exzesse, Beraubung von Gräbern und Heiligtümern waren keine Seltenheit.
Als Alexander einen Überblick über diese Lage erhalten hatte, reagierte er sofort und hielt ein großes säuberndes Strafgericht.
Schuldige wurden abgesetzt, versetzt oder wie es in mehreren Fällen auch geschah, hingerichtet. Unter den Hingerichteten waren
auch einige Generäle, die damals auf Befehl Alexanders in Ekbatana den alten Parmenion umbrachten. Darunter war auch der Bruder
des Koinos, der am Hyphasis die Meuterei anführte. In einem besonders schweren Fall wurden 600 Soldaten vor den Augen ihrer
5000 Kameraden hingerichtet. Dies war sicherlich nur deshalb möglich, weil die Anschuldigungen korrekt waren. Massenhochzeit in Susa
Nach dieser großen Säuberung zog Alexander wieder nach Susa. Hier fand eines der bemerkenswertesten Feste statt. Die berühmte
Massenhochzeit in Susa wurde von Alexander angeordnet, als Symbol der Verschmelzung zwischen Persern und Makedonen. 90 seiner höheren Offiziere sollten sich mit persischen Frauen verbinden. Dazu kamen noch rund 10 000 Soldaten.
Die prunkvollen Veranstaltungen fanden in den Palastanlagen statt. Nach einem Bericht von Alexanders Zeremonienmeister wurden
92 Brautgemächer hergerichtet, auf jedem Bett ein halbes Talent Silber mit Brautkleidern und Brautschmuck. Alexanders Bett hatte
goldene Füße. Die übrigen Soldaten wurden im äußeren Hof bewirtet. Die Hochzeiten waren wohlüberlegt und wurden nach
persischen Brauch geschlossen. Alexander vermählte sich mit Stateira, einer Tochter des Dareios und gleichzeitig mit Parysatis,
einer Tochter von Dareios Vorgänger. Hephaistion, Alexanders spezieller Freund, vermählte sich mit einer weiteren Tochter des Dareios, so dass die beiden Freunde nun auch verschwägert waren.
Diese Massenhochzeit, als Zeichen des Verschmelzung, hatte jedoch keine dauerhafte Wirkung. Schon Alexander hatte angeordnet,
dass die Soldaten, wenn sie nach Makedonien zurückkehren, ihre Frauen und auch Kinder in Persien zurücklassen sollten. Der Staat
sollte für die Zurückgebliebenen sorgen. Alexander konnte sich sicherlich die Probleme bei einer gemeinsamen Heimkehr nach Makedonien vorstellen. Nach Alexanders Tod wurden sehr viele dieser Ehen schnell wieder aufgelöst.
Alexander wollte dich auch seinen Soldaten besonders großzügig zeigen. Neben einer Mitgift wollte er auch alle ihre Schulden zu
bezahlen. Zunächst kam dieses Angebot gar nicht gut an. Will der König etwa in persönlichen Dingen schnüffeln? Schließlich musste
man ja persönliche Angaben machen. Erst als sie erfuhren, dass die ganze Aktion anonym verlaufen würde, gingen sie zum
Heereszahlmeister und gaben ihre Schulden an. Das Ergebnis der Befragung war gewaltig: 10 000 Talente, also etwa zwei Drittel der jährlichen Schatzeinnahmen des alten Perserreiches.
Inzwischen kamen 30 000 junge Iraner, die in der makedonischen Kampftechnik ausgebildet worden waren. Sie sollten nun dem Heer
eingegliedert werden. Schon ergab sich böses Gerede. Da 10 000 Veteranen bald in die Heimat verabschiedet werden sollten, sah
man in den Persern die Nachfolger. Sie sollten auch in die berühmte Kavallerie eingegliedert werden, da nahezu die Hälfte der Reiterei
den Tod beim Marsch durch die Wüste gefunden hatte. Der gemeine Soldat hatte ja längst die persophile Haltung Alexanders
bemerkt: persische Tracht, persische Zeremonien, Proskynese und jetzt auch noch hohe Positionen im Heer. Der alte Makedone verstand die Welt nicht mehr. Meuterei zu Opis
Der ganze Unmut entlud sich in der Meuterei bei Opis, in der Nähe Bagdads. Hier verkündete Alexander bei einer großen
Heeresversammlung, dass er 10 000 Veteranen in die Heimat entlassen würde. Sie sollten großzügig entlohnt werden. Was
Alexander als großzügige Geste verstand endete in einem Fiasko. Er wurde von den Truppen niedergebrüllt. „Kämpfe nur weiter mit
deinem Vater Ammun. Aber wenn du die Veteranen entlässt, dann musst du uns auch entlassen.“ In Begleitung seiner engsten
Freunde sprang Alexander von seinem Podest und bestimmte mehr oder minder willkürlich die Unruhestifter und Schreier. 13 Männer
wurden sofort ergriffen und auf der Stelle hingerichtet. Alexander ging auf seinen Platz zurück und hielt eine seiner überwältigendsten Reden.
Er sprach, so Arrian, von den Verdiensten seines Vaters Philipp, von den gemeinsamen Taten und Erfolgen. Alles was er in Asien
gewonnen habe, komme auch den Makedonen zugute, sie seien jetzt die Herren der Welt. Und wenn er, der König, im Kampfe
Wunden davongetragen habe, so beweise das nur, dass er sich den gleichen Gefahren ausgesetzt habe wie seine Soldaten. Und
diese Truppe lasse ihn jetzt im Stich. Doch er wolle keinen zurückhalten, Er halte keinen zurück, doch sollten sie in der Heimat
erzählen, dass sie ihren König die Treue gebrochen haben. Alexanders schloss seine Rede mit: “Nun geht.“
Mit dieser Rede hat sich Alexander die Herzen seiner Soldaten zurückerobert. Sie hatten sich mit der Politik ihres Königs gegenüber
den Perser abgefunden und schworen ihm aus Neue Treue und Gefolgschaft. Alexander, der sich zunächst wieder seinen Soldaten
verweigert hatte, ließ sich nicht lange bitten und er schloss sie wieder in seine Arme. Nun wurde ein großes Versöhnungsfest gefeiert
. Es war jedoch keines der großen Saufgelage. Es war vielmehr ein kultischer Akt. Alexander saß im Kreise seiner alten makedonischen Kameraden und rundumher die Perser und die anderen Völker.
Man war versammelt, um den Göttern zu opfern. Und zwar nicht nur den olympischen Göttern, nicht zur dem Ammon, sondern auch
den persischen und den indischen Göttern. So wurden alle anderen Götter offiziell als Reichsgötter anerkannt. Der Würde dieses
versöhnenden Vorgangs entsprach das feierlich erhabene Zukunftsgebet, in dessen Zeichen das Opferfest stand: man flehte für
Makedonen und Perser um Eintracht und Gemeinschaft ihrer Herrschaft. Historiker sprechen hier vom berühmten Gebet von Opis.
Nach dem Versöhnungsfest setzte der König weiter seinen Willen durch. Die Veteranen wurden fürstlich beschenkt in die Heimat entlassen. Tod des besten Freundes
Im Oktober 324 traf Alexander ein persönlicher harter Schlag. Sein bester Freund Hephaistion starb. Er stand Alexander am nächsten
und er versuchte auch im vorauseilendem Gehorsam alle Wünsche Alexanders schon im voraus zu erahnen. Nie kritisierte er, nie
widersprach er. Beim Prozess gegen Philotas stand er in der ersten Reihe, in der Proskynese war er der Anwalt des königlichen
Willens. Auf Hephaistion konnte sich Alexander immer verlassen. Alexander wusste dies, und er erhöhte ihn, wie es nur möglich war.
Er wurde Nachfolger des Kleitos als Kommandeur der Reiterei. Ebenso hatte ihn Alexander zum Chiliarch ernannt, eine Würde, die
dem eines persischen Großvezirs entspricht, eines Amtes, das es in Makedonien eigentlich gar nicht gab.
Hephaistion war ein recht guter Organisator und auch ein begabter Truppenführer, besonders beim Indienfeldzug. Er wirkte aber
gegenüber seinen Kameraden arrogant. Da er sich des Wohlwollens Alexanders sicher war, glaubte er sich alles erlauben zu dürfen. Häufige Reibereien und Streitigkeiten mit seinen Kollegen waren an der Tagesordnung.
Doch bald erfüllte sich Hephaistions Schicksal. In Mitten rauschender Feste befiehl ihm eine Krankheit. Hephaistion war an seinem
Ende nicht ganz schuldlos. Wie viele andere Makedonen, auch Alexander, kannte er weder Maß noch Ziel beim Trinken. Hephaistion
musste im Bett bleiben und der Arzt verordnete eine strenge Diät. Da der Fall nicht besonders gefährlich aussah, ging der Arzt ins
Theater. Der Patient wollte jedoch auch im Fieber das Zechen nicht unterlassen. Er missachtete die ärztlichen Anordnungen, aß ein
gekochtes Hühnchen und spülte alles mit einer Karaffe Wein hinunter. Das Fieber stieg, der Arzt kam zurück und fand seinen
Patienten in einem kritischen Zustand. Sieben Tage lang wich das Fieber nicht und am achten Tag starb Hephaistion. Alexander kam zu spät an sein Lager. Sein Tod führte zu einem schweren Zusammenbruch Alexanders.
Alexander war maßlos in der Freude und ebenso maßlos in der Trauer. Er soll sich stundenlang an den toten Körper geklammert,
andere sagten, er habe den Arzt hinrichten lassen. Fakt ist, dass er drei Tage lang nichts trank und aß. Er sandte Gesandte zur
Oase Siwah und ließ anfragen, ob Hephaistion als Gott verehrt werden dürfe, ein Wunsch, der natürlich erfüllt wurde. In den Stunden persönlicher Tragik wandte sich der König seinen privaten Trostmitteln zu.
Es wurde Staatstrauer angeordnet. Musik und Gesang verstummen, die heiligen Feuer wurden gelöscht. Dies geschah sonst nur
beim Tod des Großkönigs. Den Pferden im Lager soll die Mähne und der Schweif abgeschnitten worden sein. Eine Parallele hierzu gibt es auch in der Ilias beim Tode des Patroklos.
Alexander war wie gelähmt. Länger als eine Woche blieb er unfähig, Entscheidungen zu treffen. Rhoxane, seine Frau, bedeutete ihm
in dieser Situation nichts. Die Bestattungsvorbereitungen wurden verzögert, bis die Entscheidung vom Orakel zurückkam. Natürlich
musste der Tote beerdigt werden, aber es dauerte mehr als zwei Wochen, bis Alexander dazu seine Zustimmung gab. Das Grabmal
war geschmückt mit einem Löwen, der Löwe von Hamadan, steht heute noch an der gleichen Stelle. Hephaistion sollte später in Babylon in einem gigantischen Grabmal begraben werden
Nach dem Tod seines Geliebten lebte der König in horrender Maßlosigkeit. Gegen Ende des Jahres war Rhoxane schwanger.
Vielleicht war der Gedanke an einem Sohn und Erben tröstlich. Rhoxane hatte bereits in Baktrien einem Sohn das Leben geschenkt, jedoch starb dieser bald nach der Geburt.
In der Zwischenzeit hatte sich die Situation im Heer weiter verändert. Die Orientalen hatten inzwischen eine Mehrheit von zehn zu
eins. Alexander regierte von einem goldenen Thron aus, trug ein Szepter und persische Kleidung. Sein Zug zur Prunksucht nahm deutlich zu. Letzte Pläne
Inzwischen war Alexander wieder in Babylon eingetroffen. Er hatte seine Entschlusskraft wiedergefunden und war schon wieder voller
Pläne. Nearchos, der Admiral, sollte den Persischen Golf erkunden. In Babylon war ein riesiger Hafen geplant. Die größte Flotte mit
1000 Schiffen sollte hier entstehen. Seeleute mussten angeworben werden. Ziele sollten Seewege zum Indus oder zu den Gewürzen Asiens sein. Die Erforschung der arabischen Halbinsel war geplant.
Ein weiteres Gebiet war die endgültige Form der Armee. Die ersten Schiffe wurden gebaut und um die Männer bei Laune zu halten,
fanden Scheingefechte und Wettbewerbe statt. Im Frühling 323 beschäftigte er sich mit dem endgültigen Grabdenkmal für
Hephaistion. Dazu ließ er die Mauer Babylons über eine Länge von zwei Kilometern niederreißen und die Backsteine einsammeln. Der Tod Alexanders in Babylon
Doch auch Alexander standen dunkle Stunden bevor. Aber nach manchen Fragezeichen, die uns Alexander aufgibt, wäre es ganz
ungewöhnlich, wenn er nur so einfach gestorben wäre. Große Männer umgibt häufig ein geheimnisvoller Tod mit vielen Rätseln.
Über die letzten Wochen Alexanders in Babylon wissen wir relativ viel und dennoch viel zu wenig. Was verursachte nun den frühen
Tod des Halbgottes? Die Antwort muss mit dem 29. Mai einsetzen. Alexander hatte sich wieder gefangen. Die offiziellen
Beisetzungsfeierlichkeiten für Hephaistion waren großartig begangen worden und die offizielle Trauer um den toten Freund zu Ende.
Nun wandte sich der König wieder Feierlichkeiten und Vergnügungen zu. Der Hof atmete auf, das war wieder der alte Alexander. Die
Ausführung seiner Pläne stand an. Nearchos wurde zum Admiral des Feldzuges gegen Arabien ernannt und abschließende
Vorbereitungen dafür getroffen. In diesen Tagen hatte Alexander ein großes Programm: recht häufige abendliche Gelage.
Der König tafelte am 29. Mai wieder mit großen Gefolge. Es war schon Morgen, da lud ihn Medios, ein Fürst aus Thessalien, der
nach Hephaistions Tod in der Gunst des Königs gestiegen war, zu einem Frühstück ein. Gerne folgte er daher dieser Einladung.
Dann badete er, eine tägliche gewohnte Routine, schlief den ganzen Tag und abends war er wieder Gast bei Medios. Im kleinen Kreis
von etwa 20 Personen wurde wieder bis zum Morgengrauen getrunken. Als er dann in den Palast zurückkehrte, fühlte er sich unwohl.
Nach seiner Gewohnheit badete er, doch noch im Baderaum musste er sich hinlegen und er bekam hohes Fieber. Als der Anfall
vorbei war, war er zu schwach sich zu erheben. Er musste zu den Altären getragen werde, um die rituellen Opfer zu vollziehen. Nach
Stunden der Ruhe empfing er seine Generäle, um mit ihnen die letzten Vorbereitungen zu besprechen. Klar und bestimmend gab er seine Befehle. Aber es lag in ihm eine gewisse Unruhe.
Am Abend ließ er sich über den Euphrat in den Sommerpalast nördlich der Stadt bringen, den einst der berühmte Nebukadnezar errichtet hatte. Hier versuchte er etwas Kühlung in dieser drückenden Weltstadt zu finden.
Am nächsten Morgen konnte er immerhin aufstehen, wünschte jedoch keine Besuche, nur Medios war bei ihm, mit dem er plauderte
und sich mit Würfelspiel ablenkte. Am späten Abend erfasste den König der nächste Fieberanfall. Am nächsten Morgen hatte sich
der Anfall gelegt, Alexander konnte baden und den Göttern opfern. Er empfing Nearchos und ordnete an, dass das Unternehmen wie geplant durchzuführen sei.
Der nächste Tag brachte den dritten Anfall mit furchtbarer Gewalt. Im Fieber badete er und vollzog die Opfer. Er empfing wieder seine
Generale und bestimmte, dass es wegen seiner Krankheit zu keiner Verschiebung der Termine kommen dürfe. Als man am Abend
den König ins Bad trug, zeigte sich schon, in welch elenden Zustand er sich befand. Mit dem nächsten Morgen stieg das Fieber
wieder. Er glühte, suchte nach Kühlung. Mit eisernen Willen vollzog er die Opfer und beriet sich wieder mit seinen Generalen. In den
nächsten Tagen ging es ähnlich. Schon war der Termin der Abfahrt überschritten. Er wollte wieder in seinen Palast zurück und bestellte dorthin auch seine Generale. Dies war seine letzte Anordnung.
Welche Krankheit hatte Alexander? Auf Grund des Krankheitsbildes ist man sich heute sicher, dass es sich zunächst um eine
schwere Form der Malaria handelte. Man vermutet auch, dass noch eine Lungenentzündung, die auf die schwere Lungenverletzung in der Mallerschlacht zurückzuführen sei, oder eine rapide fortschreitende Leukämie hinzukam.
Die Kräfte Alexanders ließen schnell nach. Zurück im Palast, konnte er vor Schwäche nicht mehr sprechen. Doch er erkannte noch
seine Freunde und Generale. Dem Perdikkas überreichte Alexander seinen Siegelring. Daraus hat man abgeleitet, dass Alexander den General zu seinem Nachfolger ernannt habe.
Das ist sicherlich nicht der Fall. Alexander führte zwei Siegel: das makedonische und das persische. Perdikkas war der in Babylon
ranghöchste anwesende Offizier und schließlich musste das politische Geschehen auch trotz der Krankheit Alexanders weitergehen.
Angeblich soll Alexander auf die Frage, wer sein Nachfolger werden solle noch geantwortet haben: „Der Tüchtigste“. Wahrscheinlich
ist diese Antwort in den Bereich der Fabel zu verweisen. Überhaupt sollte man die rhetorisch geschliffenen sogenannten letzten Sätze sterbender großer Persönlichkeiten mit großer Vorsicht zu betrachten.
Während es im Krankenzimmer immer ruhiger wurde, entstand eine immer stärker werdende Unruhe unter den Soldaten. Sie wussten
, dass Alexander schwer krank war und sie fühlten die Bedeutung des Augenblicks. War der König vielleicht schon tot? Warum
verhalten sich die Generale so geheimnisvoll? Da waren die alten Soldaten nicht mehr zu halten. Sie drängten zum Palast, ließen sich auch durch die Absperrung nicht aufhalten und durften schließlich auch ins Krankenzimmer.
Einer hinter dem anderen zogen sie schweigend an Alexander Bett vorbei und durch die nächste Türe wieder hinaus. Alexander
konnte sie nur mit den Augen grüßen, ein Wunder, dass er noch lebte. Alle Hoffnung war geschwunden. Man wusste sich keinen Rat
mehr. Seine Freunde wandten sich an den Heilgott von Babylon und fragten an, ob man den König ins Heiligtum des Gottes bringen
solle. Der Spruch: “Für den König wäre es das Beste, er bliebe wo er jetzt ist“, war gerade nicht sehr ermunternd.
Am nächsten Tag, 10. Juni 323 starb Alexander, 32 Jahre und acht Monate alt. Zwölf Jahre und acht Monate hatte er regiert. Der Streit um die Nachfolge
Die Trauer seiner Freunde und Kameraden war grenzenlos. Sein Ableben löste große Erschütterungen im Leben der Völker aus, denn
der König hatte niemandem zu seinem Nachfolger abstimmt. Rhoxane war bei seinem Tode hochschwanger, das Kind, ein Sohn,
kam vier Wochen nach seinem Tod zur Welt. Der Sohn Herakles aus der Verbindung mit Barsine wurde von den Makedonen
überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Wie sollte es weitergehen? Es kam sehr bald zu Streitigkeiten unter den Makedonen, während Alexander noch unbestattet im Palast lag.
Perdikkas, der Alexanders Siegelring bekommen hatte, favorisierte das ungeborene Kind von Rhoxane. Der Brigadekommandeur
Meleager setzte sich für Arrhidäios, einem Halbruder Alexanders ein. Arrhidäios war leider schwachsinnig und wahrscheinlich
regierungsunfähig, jedoch er trug makedonisches Blut in sich. Die Abscheu der einfachen Soldaten gegen die orientalische
Verschmelzungspolitik war nicht mit Alexanders Tod verschwunden. Es entstand ein Streit und Perdikkas und Ptolemaios flüchteten
in das Gemach, wo Alexander in voller Kriegsrüstung aufgebahrt war. Das nützte ihnen nichts, denn die Soldaten Meleagers stürmten
den Raum und es kam zum Kampf an der Bahre Alexanders. Nur mit Mühe konnten die Eindringlinge wieder zurückgedrängt werden.
Perdikkas zog sich daraufhin aus der Stadt zurück, blockierte die Stadt und hungerte sie aus. Es kam zu einem Kompromiss:
Arrhidaios sollte sich als Philipp III. mit dem Kind von Rhoxane die Herrschaft teilen, wenn es ein Sohn werden sollte. Bei nächster
Gelegenheit ließ Perdikkas Freunde von Meleager vor die Elefanten werfen, Meleager beging Selbstmord.
In die Hände eines Schwachsinnigen und eines noch ungeborenen Kindes wurde also das Schicksal eines Weltreiches gelegt, das
eine straffe Führung nötig gehabt hätte. Die komplizierte Reichsordnung sah nun weitere Lösungen vor: Als prostates basileias
Vorsteher des Königtums wurde Krateros eingesetzt, der zu diesem Zeitpunkt die Veteranen nach Makedonien zurückführte. Er war
damit praktisch Vormund der beiden Könige, weil diese nicht handlungsfähig waren. Einen Monat nach Alexanders Tod gebar
Rhoxane einen Sohn – Alexander IV. Perdikkas wurde Chiliarch in Persien, Antipater blieb wie bisher in Europa. Die Paladine
Alexanders suchten sich selbst eigene Besitzungen. Die persischen Satrapen wurden meist abgesetzt und durch Makedonen ersetzt.
Die Satrapienverteilung in Babylon war das Ergebnis eines Kompromisses. Wer Macht und Einfluss sowie mächtige Fürsprecher
hatte, konnte sicher sein, einen wichtigen Teil des Alexanderreiches zu erhalten. Es seien nur einige der Diadochen, der Nachfolger,
die später Geschichte schrieben, genannt: Ptolemaios, er bekam Ägypten und begründete die Dynastie der Ptolemäer, (Kleopatra),
Antigonos in Kleinasien – Antigoniden, Seleukos in Persien – Seleukiden. Diese Reiche bildeten sich erst nach vielen Kriegen heraus
. Der Reichsgedanke war längst vorbei, jeder suchte für dich für sich das beste heraus. Wer der Tüchtigste unter Alexanders Nachfolger sein sollte, das zeigte sich oft erst Generationen später. Das Ende des Königshauses
Die Unglückswelle brach bald über alle jene herein, die mit Alexander in Verbindung gestanden hatten. In Babylon ließ Rhoxane
Stateira, die Alexander erst vor einigen Monaten bei der Massenhochzeit in Susa geheiratet hatte zu sich rufen und vergiftete sie.
Vermutlich erging es Parysatis, der anderen angeheirateten Frau ebenso. Alexander IV., der posthum geborene Sohn Alexanders,
wurde der Obhut des Perdikkas übergeben. Drei Jahre später wurde Perdikkas von den eigenen Soldaten erdolcht, weil er von ihnen
verlangt hatte, einen Fluss mit Krokodilen zu durchwaten. Krateros, der die Veteranen nach Makedonien zurückführen sollte, wurde
zu Tode getrampelt, als sein Pferd in einer Schlacht mit Eumenes, dem früheren Sekretär Alexanders, zu Fall kam. Der treue Inderkönig Poros wurde ermordet.
In Griechenland sah es nicht viel besser aus. Olympias ließ den amtierenden schwachsinnigen König Arrhidaios und hundert seiner
Freunde hinrichten. Eurydike, die Halbschwester von Alexander, die mit dem König von Epirus verheiratet war und auf deren Hochzeit
Philipp ermordet worden war, konnte ihren Tod selbst wählen. Olympias schickte ihr den Schierlingsbecher, ein Henkerseil und ein
Schwert. Eurydike erhängte sich an ihrem eigenen Gürtel. Antipater war an Altersschwäche gestorben und bald geriet Olympias mit
Kassander, dem Sohn von Antipater zusammen. Er belagerte Olympias, so dass sie ihre Elefanten mit Sägemehl füttern musste. Die
verendeten Tiere verzehrte sie zusammen mit den Leichen ihrer Zofen. Nach der Eroberung der Stadt wurde sie zu Tode gesteinigt.
Nachdem Kassander alle ihre weiteren Verwandte umgebracht hatte, wandte er sich Rhoxane zu, die gerade mit ihrem Sohn in
Griechenland weilte. Die Beiden wurden zunächst eingekerkert und später nach zwölf Monaten ermordet. Alexander IV. war ungefähr
13 Jahre alt. Kassander hat in der Geschichte einen schlechten Ruf, aber er wollte nun einmal König von Makedonien werden.
Alexander hatte bekanntlich von Barsine auch einen Sohn, mit Namen Herkules. Sie hielten sich in Pergamon auf. Selbstverständlich
wurden auch Mutter und der 15 jährige Sohn ebenfalls umgebracht, um das Stammhaus Alexanders gänzlich auszulöschen.
Kehren wir noch einmal zu Alexander selbst zurück. In Babylon wurde er von Ägyptern einbalsamiert, um seinen Körper der Nachwelt
zu erhalten. Es entstand zunächst das Gerücht, Alexander habe verfügt, dass er in der Oase Siwah beerdigt werden wolle. Aber die
Männer, die seine Pläne für ihre Zwecke benutzten, waren auch durchaus dazu fähig, seine sterblichen Überreste in ihr Spiel
einzubinden. Der Besitz der Leiche bedeutete auch ein einzigartiges Statussymbol. Um die Soldaten zu beruhigen, sprach man
weiter von einer Beerdigung in Siwah. Zwei Jahre beschäftigten sich die Handwerker mit den ausführlichen Plänen für einen
Leichenwagen. Schließlich entschied man, den Leichnam nach Pella zu überführen. Der Leichenwagen wurde von den damaligen Berichterstattern genauestens geschildert, so dass wir uns heute ein klares Bild machen können.
Als das Gefährt endlich fertig war, kämpfte der Schirmherr des Projekts, Perdikkas gerade in Kappadokien, er konnte sich also nicht
persönlich kümmern. Ptolemaios, der Satrap von Ägypten, bestach den leitenden Offizier und ließ den Leichenwagen nach Ägypten
bringen. Aber anstatt den Sarg zur Oase Siwah zu bringen, stellte er ihn zunächst in Memphis, dann in Alexandria zur Schau. Für Ptolemaios diente der Besitz des Sarges eine Rechtfertigung für seine politische Unabhängigkeit.
In Alexandria wurde Alexanders gläserner Sarkophag noch Jahrhunderte später von Caesar und von Augustus gesehen. Caesar hat
am Sarg gesagt: “Dieser Mann war mit 33 Jahren der Herr der Welt. Ich bin mit 50 Jahren noch immer nicht der Herr von Rom.“ Auch
der römische Soldatenkaiser Caracalla soll um 210 nach Chr. den Sarg gesehen haben. Doch dann verlieren sich die Berichte.
Alexanders Grab ist bis heute verschollen. Archäologen sind immer wieder auf der Suche, doch trotz Einsatz modernster Technik,
trotz großer Tauchaktionen ist es bis zur Stunde leider immer noch nicht gelungen, das Grab zu finden. Meiner Meinung nach wäre ein Fund von Alexanders Grab mindestens eine ebenso große Sensation wie der Fund von Tutenchamun.
Wertung und Ausklang
Zwölf Jahre und acht Monate hatte Alexander regiert. In dieser Zeit hat er, wie bereits gesagt, die Welt verändert und seine Zeit
entscheidend geprägt. Sein Wort galt in einem riesigen, unvorstellbar großen Reich. Das Wort „Unmöglich“ gab es für ihn nicht. Er
war ein Genie als Feldherr und er zeigte sich als gewaltiger Schlachtenlenker, auch gegen mehrfache Überlegenheit. Dies gilt, auch wenn sein Gegner Dareios sich als ein recht schwacher König erwies.
Alexander machte sich die damals modernste Belagerungstechnik zu Nutze und in der Kombination mit Infanterie, Ballistik und Marine war er ein wahrer Meister.
Der König war ein echter Vater seiner Männer. Mit ihnen teilte er Not und Entbehrungen, Hunger und Durst, Kälte und Hitze. Er ging
immer mit gutem Beispiel voran und setzte sich selbst den größten Gefahren aus. Wo Alexander war, war auch vorne. Die 18
Verwundungen, eine davon war äußerst lebensgefährlich, beweisen es. Er hatte in der Schlacht den Blick fürs Wesentliche, den er
auch gnadenlos ausnütze. Alexander war jedoch kein Hunnenkönig Attila oder ein Dschingis Khan, die wie der Steppenwind durch die Lande brausten.
Alexander bemühte sich um Organisation, Verwaltung, Steuersystem und um militärische Sicherungen. Zu den großen
Kulturschöpfungen gehörten sicherlich auch seine Stadtgründungen. Laut Plutarch sollen es ungefähr 70 Städte gewesen sein. Sie
hießen meistens Alexandria und verbreiteten mit den dort stationierten Griechen und Makedonen den Hellenismus in Asien.
Alexander ging es aber auch um Kolonisierung und um Erforschung der eroberten Länder. In seinem Heer zogen eine Reihe von
Wissenschaftlern und Experten mit. So hatte er eigene Berufsschrittzähler, die Bematisten, welche die zurückgelegten Strecken
festhalten mussten, indem sie ihre Schritte zählten. Botaniker zeichneten ihre Erkenntnisse auf. Besonders die Fahrten des Admirals
Nearchos wurden ausgewertet und neue Land- und Seekarten gezeichnet. Was auf dem Alexanderzug erforscht wurde, ist im Alexanderarchiv zu Babylon niedergelegt worden.
Dem König wurden am Hyphasisfluss zum ersten Mal seine Grenzen aufgezeigt, eine Tatsache, die er nur schwer verarbeiten konnte.
Er war Psychologe genug, mit meuternden Soldaten umzugehen und sie, wie in Opis, wieder für seine Sache zu gewinnen.
Alexander war seiner Zeit weit voraus. Seine Vermischungspolitik und seine Perserfreundlichkeit wurden von den Makedonen meist
zähneknirschend toleriert. Aber nach Alexanders Tod wurden viele seiner Anordnungen wieder rückgängig gemacht. So haben auch
viele Offiziere ihre persischen Frauen, die sie in Susa geheiratet hatten, wieder verstoßen. Sein „Vereintes Makedonien-Persien“ ist
absolut gescheitert. Aber dieser Plan hatte keine Chance. Bedenkt man die verschiedenen Kulturen von Makedonien bis zum Indus,
so kann man sich die Probleme lebhaft vorstellen. Auch ein Vereintes Europa dauerte Jahrzehnte, obwohl es innerhalb Europas bei weitem nicht so gravierende Gegensätze gibt.
In religiöser Hinsicht gab es keinerlei Probleme. Alle in diesem Reich geltenden Götter wurden gleichgestellt, denken Sie nur an das Gebet von Opis.
Alexander hatte sicherlich in manchen Situationen unwahrscheinliches Glück. Aber seine Erfolge nur auf manch glückliche Umstände
zurückzuführen, halte ich aber für sehr übertrieben. Glück hat auf Dauer aber nur der Tüchtige. Dennoch überzog der König manchmal
sein Glück, bzw. forderte er das Schicksal buchstäblich heraus, denken Sie nur an Gedrosien. Tausende von Soldaten mussten dafür
ihr Leben lassen. Vertraute er zu sehr auf seine Göttlichkeit? Hielt er sich wirklich für einen Gott? Hielt er sich wirklich für unbesiegbar? Man könnte durchaus den Eindruck haben.
Es zeigte sich aber auch, dass das ganze Reich nur durch die Persönlichkeit Alexanders zusammengehalten wurde. Schon bald
nach seinem Tod galten seine Pläne und Anordnungen nicht mehr viel und Vieles wurde ignoriert. Es kam zu Bürgerkriegen und man
scheute sich nicht, zur Erhaltung der eigenen Macht, Alexanders gesamte Familie und Verwandtschaft gnadenlos auszurotten.
Sicherlich hatte Alexander auch gewaltige persönliche Schwächen. Sein ungeheueres Machtstreben, seine Maßlosigkeit in vielerlei
Hinsicht, seine Exzesse, auch das rücksichtslose Gehen über Leichen, wenn es scheinbar die Lage erforderte, zählen sicherlich
auch dazu. Ohne Alexander reinwaschen zu wollen, manche dieser wohl berechtigten Vorwürfe müssen aber auch aus der entsprechenden Zeit heraus verstanden werden.
Meiner Meinung nach hat Alexander aber bei allen Minuspunkten Großartiges geleistet. Er hat sich seinen herausragenden Platz in der Geschichte redlich verdient und er führt mit vollem Recht den ehrenden Beinamen: der Große
!
Landshut, März 2001
David Plecher
Literaturverzeichnis:
Fox,Robin Lane, Alexander der Große. Düsseldorf 1974.
Schachermeyr, Fritz, Alexander der Große, Das Problem seiner Persönlichkeit und seines Wirkens, Wien 1973. Bengtson, Hermann, Philipp und Alexander der Große, Die Begründer der hellenistischen Welt, München 1997.
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